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Unwetterlage Alpennordrand

Ein Tief macht wieder Troubles. Tirol hat schon einmal Bekanntschaft damit gemacht und zwar als es uns am Montag, 31.05., überquert hat. Nur war es da den wenigsten bewusst.
Es hat sich inzwischen verstärkt und schön eingewickelt, wie am Satellitenbild (Abb. 1) gut zu sehen ist. Der Tiefdruckkern liegt derzeit etwa über Ungarn und sorgt von Ostösterreich über Tschechien und Polen für anhaltend kräftigen Niederschlag. Innerhalb von 24 Stunden regnete es so in Krakau 44 mm, an der Hohen Warte 41 mm in Ostrava und Brünn 37 mm oder in Kosice 35 mm.

Abb. 1: Satellitenbild von sat24.com -- Quelle: Eumetsat + DWD

Das Radarbild rechts (entnommen von flug-wetter.at (c) austrocontrol.at) zeigt das derzeitige Niederschlagsbild (Abbildung 2).

Durch den zyklonalen Drehsinn werden die feuchten Luftmassen an alle Hindernisse gedrückt, die sich ihnen in den Weg stellen und sorgen im Luv für Stauniederschläge.
Südlich vom Alpenhauptkamm in Oberkärnten, Ost- und Südtirol ist es bis jetzt (nordföhnig bedingt) trocken.

Die Unwetterzentrale (uwz.at) sieht derzeit das größte Potential für Unwetter am nördlichen Alpenhauptkamm (siehe Abbildung 3 - screenshot) und warnt vor mit erheblichen Niederschlägen. Die Gefahren sind, meiner Ansicht nach, Überflutungen (der Boden ist ja seit Wochen mehr als gesättigt) und stellenweise Vermurungen.


Die Plattform Meteoalarm, denen die staatlichen Wetterdienste angehören, warnt (in anderen [Farb-]Kategorien) vor allem in Bayern und Südpolen.


Weitere Entwicklung

Über den britischen Inseln liegt derzeit ein Hoch (Urs), welches sich auf den Weg nach Mitteleuropa macht und unsere feuchten Seelen mit Sonnenschein und Wärme erfreuen wird (Freitag, Samstag, Sonntag). Dann sind aus der Restfeuchte lokale konvektive Zellen wieder ein Thema. Morgen am Feiertag bleibt es noch unbeständig und zu kühl für den (meteorologischen) Sommerbeginn.

# UPDATE Donnerstag 09 UTC #
Das Tief bzw dessen Okklusion hat sich weiter nach Westen verlagert und damit auch das Hauptniederschlagsfeld. Gestern, zu Beginn des Postings, lagen dieses noch weiter im Osten.
Betrachtet man die 48-stündigen Niederschlagsmengen so fallen einem durchwegs Stationen am Alpennordrand auf. Am Feuerkogel / Traunsee fielen mit 94 mm schon knapp die Hälfte der zu erwartenden Niederschläge für den Monat Juni (211 mm laut ZAMG Klimaarchiv 1961 - 1990). Die Warnungen sind somit zu Recht ausgesprochen worden.

48h-Niederschlag (mm): Do, 03.06.2010 08:00 MESZ (c) wetteronline.de

Feuerkogel (1621 m, Österreich) 94.0
Chieming (553 m, Deutschland) 79.0
Kufstein (493 m, Österreich) 78.0
Zugspitze (2962 m, Deutschland) 73.0
Hohenpeissenberg (986 m, Deutschland) 72.0
Bregenz (439 m, Österreich) 69.0
Wendelstein (1835 m, Deutschland) 64.0
Garmisch-Partenkirchen (719 m, Deutschland) 58.8
Oberstdorf (812 m, Deutschland) 57.0
Kempten/Durach (705 m, Deutschland) 54.7
Kremsmuenster (389 m, Österreich) 53.0
München/Stadt (535 m, Deutschland) 52.2
Piestany (164 m, Slowakei) 51.1
Leutkirch-Herlazhofen (671 m, Deutschland) 50.0
Salzburg Flughafen (450 m, Österreich) 49.0
Landsberg (628 m, Deutschland) 47.3
Krakau (237 m, Polen) 45.0
Carlsfeld (899 m, Deutschland) 45.0
Mühldorf am Inn (410 m, Deutschland) 44.3
Sombor (89 m, Serbien) 43.0
Wien / Hohe Warte (200 m, Österreich) 43.0
München/Flughafen (447 m, Deutschland) 42.0
Györ (117 m, Ungarn) 41.4
Kosice (231 m, Slowakei) 41.0
Daruvar (161 m, Kroatien) 40.3
Innsbruck Flughafen (584 m, Österreich) 39.6

In Innsbruck hat es in der Nacht ordentlich geschüttet (bis zu 6mm/h - siehe Abbildung 5 rechts). 37 mm (24-stündig bis heute um 08 MESZ) waren es am Flughafen, etwas über 30 mm an der Uni.
Auf alle Fälle ein Bild zum Abspeichern, so oft kommt so ein Niederschlagsereignis nicht vor.
Nicht auszudenken wenn so eine Wetterlage (endlich wieder) einmal im Winter auftreten würde (das letzte Mal denk ich im Winter 2005/06 ...). Das wären dann um die 50 cm Neuschnee über Nacht!
Im Juni sind im Mittel 110 mm Niederschlag zu erwarten - ein großer Beitrag wurde somit bereits geleistet.

Abb. 5.: Niederschlag und Sonnenscheindauer (vernachlässigbar in diesem Fall ...) vom 02. und 03. Juni 2010 (c) IMGI



Unwetterschäden - Meldungen aus diversen Medien
Das 'gute' an Unwettern in Verbindung mit kälteren Temperaturen, so betonen Meteorologen und Hydrologen immer, sei die tief gelegene Schneefallgrenze (in diesem Fall ca. 2000 m). Denn somit wird der Niederschlag zunächst als Schnee gebunden und trägt nicht sofort zu einem Anstieg der Flußpegel bei. Der Kaunertaler Gletscher meldet heute morgen 9 cm und der Stubaier Gletscher 15 cm Neuschnee (Quelle: bergfex.at).

Tirol:
Der Niederschlagsschwerpunkt lag im Tiroler Unterland, somit " [...] habe es laut Landesfeuerwehrkommandant Klaus Erler seit Mittwochabend sehr viele Einsätze in den Bezirken Kitzbühel und Kufstein gegeben. Vorwiegend seien dabei Keller ausgepumpt und Verkehrswege freigemacht worden. [...] So musste in Innsbruck die Landesprozession abgesagt werden. Es findet nur um 8.00 Uhr die Fronleichnamsmesse im Dom statt. [...]"
(tirol.orf.at)

Oberösterreich:
Wie üblich bei solchen Wetterlagen hat es wieder Steyr erwischt, "[...]wo in der Nacht auf Donnerstag die Hochwassermarke von 3,5 Meter überschritten worden ist. Ennskai, Ortskai und Paddlerweg stehen unter Wasser. Auch entlang Inn und Donau verschärfte sich die Situation."
oö.orf.at

Meldung von derstandard.at:
Hochwasserbedingt sind Grenzübergänge in Tirol und Oberösterreich bis auf weiteres gesperrt. "Die Überschwemmungen ziehen sich von Dornbirn bis Angern an der March über das ganze Bundesgebiet", meldete man Donnerstag früh der ÖAMTC. Regenfälle und Erdrutsche hätten in der Nacht auch zu wetterbedingten Straßensperren geführt. Besonders betroffen seien hierbei auch Salzburg.
Laut ÖAMTC mussten Grenzübergänge in Tirol Reit im Winkel (B172) und Kössen (B176) und in Oberösterreich der Grenzübertritt bei Ettenau geschlossen werden. In Niederösterreich waren die Grenzstationen Angern an der March und Hohenau schon einige Tage wegen Hochwassers der March gesperrt. [...]
Auch in Tirol erwartet man sich den Schwerpunkt des Starkregens im Unterland zwischen dem Bezirk Schwaz und Kitzbühel. Dort wird auch mit einem Überschreiten der Meldemarke bei den Pegelständen der Nebenflüsse des Inn wie der Brixentaler Ache und der Brandenberger Ache gerechnet. Ein Hochwasserbereitschaftsdienst wird eingerichtet, teilte Georg Raffeiner vom Hydrographischen mit.

Vergleiche hierzu auch die Usermeldungen auf der Homepage der Unwetterzentrale, wo jedermann seine Beobachtungen posten und seien Fotos uploaden darf (und soll).

# UPDATE Donnerstag 09 UTC ENDE#

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