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Es werden Posts vom Oktober, 2017 angezeigt.

Sturmtief Herwart sorgt für Probleme

Es gibt Tage, die vergisst man in einem Meteorologenleben nicht. Heute war wieder so einer. Die Modelle lieferten seit Tagen eine gute Performance von Sturmtief Herwart ab, so konnten bereits am Donnerstag und Freitag detaillierte Warnungen ausgesprochen werden. Und dennoch gab es wieder (wie so oft) Überraschungen, die einen daran erinnern: ein Modell ist nur eine Simulation der Realität. Dieses Mal wurden die Warnungen verbreitet um 30 bis 50 km/h überschritten:






*) Spitzenböen im Flachland lagen bei bis zu 140 km/h (Warnungen am Freitag lagen bei Böen bis zu 110 km/h in S, OÖ, NÖ, W, Bgld),
*) Spitzenböen im Gebirge bis 200 km/h (Warnungen vor bis zu 150 km/h) *) Orkanböen bis 124 km/h in Innsbruck bei Höchstwerten bis zu 17 (!) Grad (Warnungen lagen bei 70 bis 80 (90) km/h) und einem Temperaturmaximum von 13 Grad) *) Orkanböen bis 135 km/h in den westlichen Nordalpen (Warnungen bei 100 km/h), am Alpenhauptkamm bis 160 km/h.









Spitzenböen Österreich (Stand: 29.10. 20:00) Die Böe…

Niederschlagsmessung in den Alpen. Probleme und Chancen

Vorwort und kurze Erklärung Die Niederschlagsmessung ist ein wesentlicher Teil in der Meteorologie. Begonnen hat man natürlich mit Niederschlagssammlern am Boden (Punktmessung in Millimeter bzw. Liter pro Quadratmeter). Über die Bedeutung von Niederschlagsmengen muss man regelmäßigen Lesern dieses Blogs aber nichts erzählen. Das Problem war, dass man immer erst nach einem Niederschlagsereignis das gesammelte Wasser im Messgerät gemessen und dann erst gewusst hat, wieviel es eigentlich geregnet hat. Und man war auch völlig im Unklaren was 1 km westlich der Messstation gefallen ist.
Somit hat man sich die Eigenschaft von elektromagnetischen Impulsen zu Nutze gemacht (radio detection and ranging - RADAR). Mikrowellen werden ausgesandt und von Wassertropfen, Eiskristallen oder Hagel reflektiert. Die gemessene Radarreflektivität gibt Auskunft darüber wie groß die Niederschlagsintensität in einem größeren, flächendeckenden Radius ist. Dabei ist die Stärke der zurückgeworfenen Strahlung gle…

Ophelia - ein Hurrikan auf Abwegen

Das hat uns Europäern gerade noch gefehlt. Ein Hurrikan auf 'unserem' Territorium? Selbst als Meteorologe (der ja so einiges gewohnt ist), saß man in den letzten Tagen wie gebannt vor den Modellen, den Satellitenbildern und vor diversen Social-Media-Kanälen. Das was sich da entwickelte, gab es noch nie zuvor (zumindest seit wir eben diese Wirbelstürme dokumentieren und das sind schon ca. 150 Jahre).
Im Atlantik bildete sich ein Hurrikan, an sich nichts ungewöhnliches. Atypisch war aber die Genese (Teifdruckentwicklung) durch einen Kaltluftvorstoß im Zuge eines höhenkalten Tiefs der Polarfront - (siehe FB-Posting von Rund ums Wetter unten). Jedenfalls enstand dieser Hurrikan so weit östlich wie noch nie. Er erreichte am 12. Oktober Kategorie 2 (Saffir-Simpson Skala: mehr als 154 km/h) und schließlich südlich der Azoren völlig unerwartet noch Kategorie 3 (=major hurricane).
Was an diesem Vorgang gleichsam ungewöhnlich wie unerwartet war? Nun, als Voraussetzung für die Entwicklu…

Die schönsten Herbsttage

Man möchte meinen, dass der Herbst uns allen nochmals zeigen wollte was in ihm steckt. Der September war kühl, nass und trüb, doch der Oktober dreht nun so richtig auf und präsentiert genau das gegenteilige Wetter.
Die Temperaturen lagen in den letzten Tagen selbst auf 1.500 m Höhe bei über 20 Grad und die Nullgradgrenze auf über 4.000 m. An mehreren Orten Österreichs gab es noch einmal Sommertage (u.a. Salzburg). Ob man das nun Altweibersommer oder goldenen Oktober nennt, ist ja eigentlich egal.
Schuld daran ist ein - für die Jahreszeit typisches - Hochdruckgebiet (TANJA, siehe unten), in dem trockene und zeitweise recht milde Luft vorherrschte. Mit der Drehung der Höhenströmung auf Süd am letzten Wochenende (14./15. Oktober) wurde es eben so richtig warm. Mitgespielt hat auch der Ex-Hurrikan Ophelia (siehe unten und Blogeintrag hier), der auf seinem Weg von den Azoren nach Irland (16.) die Südströmung und somit den Zufuhr an warmer Mittelmeerluft verstärkte.


Septembrrrrr. Bilanz

Bonjour Tristesse. Eigentlich hat sich der September nach dem massiven Bruch zu Beginn des Monats gar nicht mehr erholt. Immer wieder gab es Dauerregen, gedämpfte Temperaturen und kaum Sonnenschein. Dass sich das natürlich auf die Bilanz niederschlägt ist ja kein Wunder.
Ein paar Schlagworte ...
Es war dies österreichweit mit einer Abweichung von -1,5 Grad der kälteste September seit 10 Jahren, auf den Bergen sogar seit 16 Jahren. Ebenso ist es 16 Jahre her, dass wir so einen trüben September erlebt haben. Der Niederschlag hat sich recht unterschiedlich verteilt wobei es im Süden (doppelt so viel) und im Westen (+50 bis +60%) am meisten geregnet und geschneit hat. Apropos Schnee. Die ZAMG schreibt, dass sich auf der Villacher Alpe (K, 2140 m) insgesamt 78 cm Neuschnee summiert haben. Damit ist der September 2017 hier der schneereichste seit Beginn der Schneemessungen im Jahr 1925. Das ist in Zeiten wo es meistens nur Negativrekorde hinsichtlich Schnee und Eis gibt umso …

Ein Sommer mit ups and downs ...

Ein Sommer kann ja eigentlich sehr schnell zu Ende gehen. Zwar sieht man die ersten Anzeichen des Winters in Form von Lebkuchen bereits Mitte August in den Regalen liegen, doch meistens stemmt sich die Witterung noch dagegen. Heuer hat es immerhin bis Ende August gedauert, dann kam pünktlich zum meteorologischen Herbstbeginn der Wetterwechsel.
Nichts anderes als eine Kaltfront beendete justament am 1. September die fünfte Hitzewelle und damit den Sommer 2017. Diesmal endgültig. Bei einem Höchstwert von 12 Grad bibberte man am ersten meteorologischen Herbsttag in seinem Eigenheim und sehnte den vergangenen Sommer herbei. Oder nicht? Immerhin hatte der Sommer 2017 wieder eindrucksvoll bewiesen wie der Sommer eigentlich in den Alpen auszusehen hat: kühle Nächte, strahlend sonniger Vormittag, zunehmend bewölkter Nachmittag und Gewitter um 17:00, 19:00, 21:00 ...
Trotz der eher nassen Bilanz war auch dieser Sommer wieder einmal "zu warm". Die Kaltlufteinbrüche Ende Juli und Mitt…