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Namenswechsel

Wenn einem in diesem Jahr die schlimmsten Wetterereignisse ausschließlich mit maskulinem Beigeschmack in Erinnerung bleiben, so hat das einen Grund: die Taufe der Tiefdruckgebiete erfolgt 2011 wieder durch Männernamen. Hochdruckgebiet Andreas ziert als Überbleibsel noch die Wetterkarte am rechten Rand, doch schon machen sich seine Kollegen Benjamin, Christian und Dieter breit.
Maskuline Bodenwetterkarte von heute Dienstag um 00 UTC


Durch die Umstellung auf die Westwetterlage wird nun Tiefdruckeinfluss das wetterbestimmende Element der kommenden Tage und somit werden gleich einige Männernamen verbraten. Die gestern bereits erwähnte Westwinddrift (auch Westrutsche genannt) sorgt dafür, dass die kältesten Tage im Jahr (nämlich diese jetzt) deutlich zu warm werden. Die massive Warmluftadvektion des herannahenden Tiefs Dieter sorgt für ein Ansteigen der Schneefallgrenze auf 1500 bis 2000 m.

Außergewöhnlich warm: die milde Westströmung bringt in der Höhe von 1500 m eine bis zu 10 Grad positive   Temperaturabweichung. In den tieferen Luftschichten wird die Abweichung geringer sein - stabile Verhältnisse sorgen für eine geringe Durchmischung durch den Wind. Der Regen wird allerdings auch "wärmen".


Unangenehme Begleiterscheinung der Warmluftadvektion (kurz: WLA) von Mittwochabend bis Freitag früh sind anhaltend mäßige bis starke Regenfälle.


Gitterpunkt des GFS bei Salzburg: die einsickernde kühlere Luft ist genauso zu erkennen wie die massive WLA, die am 15. (Samstag) ihren Höhepunkt erreicht (10 Grad über dem Mittel). Am Modellgitterpunkt regnet es am 13. und 14. insgesamt 35 mm (grüner Hauptlauf). Kälter wird es erst in einer Woche. Auffallend ist dabei die Übereinstimmung aller Läufe bis dorthin.



Dieter bringt: ein mittelgroßes Regenereignis
Auf der Bodenwetterkarte ist Tief Dieter mit Zentrum knapp östlich von Neufundland bereits zu sehen und auch am Satellitenbild sieht man den gigantischen Warmluftschild, den das Frontsystem vor sich herschiebt. Stromabwärts des Tiefs sickert nach Europa noch kältere Luft ein, die jedoch bald von der Warmluft übertaucht wird.

Satellitenbild der Nordhemisphäre. Die für Europa relevanten Druckgebilde sind ebenso eigenhändig nachgetragen wir die relativen Luftströme (rot = warm, blau = kalt). Das entscheidende Tiefdrucksystem liegt mit seiner Warmfront bereits über den britischen Inseln.
An sich wäre eine Warmfront aus Westen der Schneebringer schlechthin, wenn alles bei 10 bis 15 Grad kälteren Temperaturen ablaufen würde. So wird es bis 2000 m hinauf regnen, die gefrorenen Böden nehmen weniger Schmelzwasser auf als im Frühling oder Sommer. Zusätzlich wird der vorhandene Schnee auch noch wegtauen (obwohl Schnee schneller schmilzt wenn es trocken ist), sodass außer dem Warmfrontregen auch noch das Schmelzwasser dazu kommt.


Wo, wann, wieviel
Bei Betrachtung der Niederschlagskarten (GFS und ECMWF) fällt das einheitliche Verteilungsmuster auf, aber auch die Unterschiede in der Menge.Das Europäische Modell rechnet maximal 50 mm im Salzkammergut während das GFS schon mit der doppelten Menge "droht".

Erwarteter Niederschlag von Mittwochabend bis Freitag früh: Schwerpunkt laut diesem ECMWF 12z-Lauf alpennordseitig.

Der grüne Fleck im GFS bedeutet 90 mm in 36 Stunden, außerdem werden für Tschechien und den Bereich der kleinen Karpaten (Slowakei/Marchfeld) größere Mengen berechnet.
Ähnliches Bild im GFS-12z: die Mengen sind sogar noch höher (bis zu 90 mm). Sosnt sind die Muster ähnlich.


Natürlich lösen die Globalmodelle die regionalen Unterschiede nicht so deutlich auf, wie das beispielsweise die feinmaschigeren WRF-Modell tun.Müssen sie auch nicht. Denn dafür stehen Modelle wie das WRF zur Verfügung (WRF = Weather Research an Forecasting Modell, entwickelt von der, Überraschung, NOAA).

Das UBIMET-WRF hat die die erwarteten Niederschlagsmaxima eindeutig herausgearbeitet. Natürlich ist das GFS-basierende WRF auch auf der "extremeren" Seite was die Niederschlagsmengen betrifft. Als objektiver und somit guter Meteorologe sollten allerdings alle zur Verfügung stehende Modelldaten in die Prognose aufgenommen werden.

Die Maxima liegen in den Weststaulagen. Betroffen sein werden der Schwarzwald, die Berner und Glarner Alpen, die österreichischen Nordalpen vom Bregenzerwald über das Karwendel bis zum Kaisergebirge, sowie weiter nach Osten über das Salzkammergut bis nach Norden zum Bayerischen Wald.


Mitteleuropaauschnitt in 12 km Resolution
Auch wenn das noch feinere 4 km - Modell die Mengen mit Sicherheit übertreibt, allein die regionalen Unterschiede durch den topographischen Einfluss kommen noch besser zu Geltung als in der 12 km - Version. Das Rheintal wird (im Lee des Appenzells) gelegen deutlich weniger Niederschlag abbekommen wie die exponierten Lagen am Bodensee. Ähnlich "trocken" wird es sich im Oberinntal, dem Wipptal sowie in den Regionen südlich des Alpenhauptkamms verhalten.Ob das östliche Mühlviertel so deutlich weniger abbekommen wird ist abzuwarten.
UBIMET advanced WRF (ARW)  4 km Auflösung - vom feinsten!
 Zu dem oben angesprochenem Problem mit dem Schmelzwasser kommt, wenn man sich die Niederschlagsschwerpunkte vor Augen hält, noch ein Problem dazu. Die Pegel von Saalach bis Salza werden deutlich anschwellen und stellenweise sicher über die Ufer treten. Im Schnitt werden im Jänner in den betroffenen Reginen 50 bis 100 mm Niederschlag erwartet - eine Menge, die bei diesem Ereignis innerhalb von 36 h fallen kann. Die Flüsse und Bäche sind also geometrisch darauf konzipiert geringere Mengen an Wasser abzutransportieren...
Man kann also darauf hoffen, dass die erwarteten Regenmengen sich ans ECMWF anpassen und nicht an das GFS.

Die ZAMG warnt ...

Die ZAMG - Warnung (ausgegeben Dienstagabend) basiert auf dem ECMWF bzw. dem intern verwendeten INCA (Integrated Nowcasting through Comprehensive Analysis). Die Warnungen sind daher im Vergleich zum GFS auf der konservativen Seite. Von maximal 65 mm in Oberösterreich ist in der Warnung die Rede. Die möglichen 100 mm + im Bregenzerwald finden in dieser Warnung keinen Eingang, Vorarlberg ist (noch) grün. Die UWZ wird morgen die Warnungen veröffentlichen - die Warnkarte ist dann unter www.uwz.at zu finden.

ZAMG Warnung für Donnerstag

Auch das ECMWF-Modell kann als Datengrundlage eines WRF verwendet werden . Das Consorzio LaMMa (Laboratorio di Monitoraggio e Modellistica ambientale) aus der Toskana macht so etwas (Auflösung 7 km bitteschön!) und veröffentlicht diese Karten dankenswerterweise auch auf ihrer Homepage.



Und am oberen Bildrand lässt sich erkennen, dass auch das ECMWF (bei anderer Topographie) durchaus Potential für größere Niederschlagsmengen im Westen sieht: die 24h Addition bis Freitag 00 UTC zeigt ein Maximum von 50 mm und mehr am Arlberg, sowie ein ähnliches Muster nach Osten hin. Interessanterweise geht das Innviertel beinahe leer aus, während es im Mühlviertel mehr regnet.



Zum Abschuss noch ein kleiner Absatz zum heutigen Nebel in Innsbruck:

Dichter Hochnebel lichtet sich erst am Nachmittag, und die Sonne kommt zum Vorschein.


Am Nachmittag fällt bei nur schwachem Westwind Nebel ein (die noch feuchte Luft in den untersten Schichten kondensiert). Die gesättigte Temperaturkurve sinkt unter den Gefrierpunkt, als sie mit etwas stärker werdendem Wind plötzlich um 2 Grad ansteigt (grüne Linie im  Stationsverlauf).


Der Nebel bleibt (siehe Webcambild um 17 Uhr) und die Sicht beträgt nur mehr ein paar m. Dazu weht schwacher Ostwind bei einer konstanten Temperatur von 1,5 Grad. Als der Wind wieder auf West dreht lichtet sich der Nebel wieder und um 22 h ist die Sicht wieder optimal.
Ellbögen hat zum Zeitpunkt der Nebelbildung  verstärktes Ausfließen (nicht abgebildet) von 6 m/s.Im Wipptal (+7 Grad) war es zudem leicht föhnig und mit dem Sattelberg (-3 Grad) trocken
durchmischt. (Spitzen in Ellbögen 36km/h, am SAB
65 km/h, am PAK immerhin 76 km/h).
Der Trogachsendurchgang heute Abend (18z) machte sich am Kofel mit einem Windsprung von Süd auf Nordwest bemerkbar, der sich wohl auch auf die Windverhältnisse im Tal ausgewirkt hat.
Dies nur als Detail am Rande, weil Nebel einfach so selten vorkommt in der Tiroler Landeshauptstadt.







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Quellenangaben:
Bodenwetterkarte (1): wetterpate.de
Temperatur-Abweichung vom Mittel in 850 hPa (2): wetterzentrale.de /GFS12z
Gitterpunkt 48°E/13°N (3): wetterzentrale.de/GFS12z
Satellitenbild Nordhemisphäre (4): http://aviationweather.gov/obs/sat/intl/ NOAA modifiziert von alpen.wetter
Niederschlagskarten, zur Verfügung gestellt von UBIMET: ECMWF12z (5), GFS-12z (6), UBIMET ARW 12 km (7), UBIMET ARW 4 km (8)
ZAMG-Warnung (9): screenshot vom 11.12.2011 um 23:30
Prognosekarten des LaMMa ECMWF-WRFs (10):  http://www.lamma.rete.toscana.it
Webcambilder Innbrucker Flughafen (11, 13, 14)
Stationsverlauf Uni Innsbruck (12): imgi.uibk.ac.at, modifiziert von alpen.wetter

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Mit einem Schneeloch kann man mehrere Dinge meinen.

*) Ort mit sehr viel Schnee. Sprich Alpennordseite bei Nordstau oder Arlberg bei Weststau bzw. Karawanken bei Südstau.

*) Ort mit wenig Schnee, also dort wo der Schnee in ein Loch fällt (sprich Leeeffekt) oder wo man sich ein Loch gegraben hat.

So ein zweites Loch ist beispielsweise Innsbruck - bei manchen Wetterlagen.

Aktueller Stand (Morgen des 12.12.2012) des GESAMTSCHNEEs (Quelle:ubimet)
St. Anton: 92 cm
Hochfilzen: 88 cm
Seefeld: 67 cm
Kufstein: 57 cm
Reutte: 55 cm
Kitzbühel: 45 cm
Landeck: 36 cm
Innsbruck: 16 cm 

Grund: aus dem Nordstau der letzten Tage ist in der Hauptstadt deutlich weniger Schnee gefallen, er wurde durch die Nordkette quasi abgefangen.



WEBCAMS vom Morgen des 12.12.2012










HEUTE KALTE NACHT !
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