Direkt zum Hauptbereich

Jännerbilanz 2018: mild und schneereich

So schneereich ist der Jänner 2018 in Tirol. Nach reichlich Schnee und Sturm liegen aktuell Ende Jänner 278 cm Schnee am Pitztaler Gletscher, 247 cm auf der Seegrube, 217 cm am Hahnenkamm bei Reutte, 149 cm am Stausee Längental im Kühtai, 123 cm in der Leutasch, 115 cm in Obergurgl und immer noch 105 cm in Seefeld (Foto: alpen.wetter)
Der Jänner 2018 hatte es in sich. Etliche Südwest- und Nordwestwetterlage brachten Tiefdruckeinfluss, wiederholt Sturm (auf den Bergen) und reichlich Neuschnee. Dass es dennoch +3,1 Grad (österreichweit sogar +3,8 Grad!) zu warm war klingt daher nahezu paradox. Aber für die Lagen oberhalb von 500 bis 800 m war es dennoch kalt genug für reichlich Schnee. So summierten sich hier um die Hälfte (z.B. Innsbruck) bis drei Mal so viel (Oberland) Schnee wie normal. Auf den Bergen liegen jetzt nach einer Woche Hochdruckeinfluss, Tauwetter und Föhn immer noch zwei bis drei Meter Schnee. Beachtlich für Ende Jänner!
Ebenso beachtlich die Neuschneemengen (also die Summe der täglichen Neuschneemengen). So gab es in Langen am Arlberg 238 cm Neuschnee und in Obergurgl 198 cm.
Die ZAMG vermeldete außerdem Ende Jänner, dass es auch in Seefeld einen neuen Rekord gab. "In den sechs Tagen vom 16. bis zum 22. Jänner lag die Summe der täglichen Neuschneemenge bei 177 Zentimeter. Das ist der höchste Wert in Seefeld seit Beginn der Aufzeichnungen hier im Jahr 1895 (mit Datenlücken von 1927 bis 1936). Bisher an der Spitze der 6-Tage-Neuschneesumme in Seefeld: der März 1967 mit 167 Zentimeter und der Jänner 1995 mit 165 Zentimeter."
Im sonst so trockenen Oberland fielen über 100 cm Schnee wie die Daten von Prutz, Landeck oder Nauders belegen. Die Kombination aus Neuschnee und Sturm führte auch zu der heiklen Lawinensituation am 22. Jänner 2018, als erstmals seit 1999 wieder die höchste Lawinenwarnstufe galt.



Anmerkung: Wert von Seefeld* in dieser Tabelle ist von der automatischen Messung und muss daher noch geprüft werden (es gibt noch eine Handmessung). Er weicht daher von der Rekordmeldung der ZAMG ab.

Klimawerte Tirol (Quelle:ZAMG)

Niederschlagsabweichung 184%
Temperaturabweichung +2.9 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 6%
Temperaturhöchstwert Mayrhofen (640 m) 16.2 °C am 9.1.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Brunnenkogel (3437 m) -22.0 °C am 17.1.
Temperaturtiefstwert unter 1000 m Ehrwald (982 m) -10.6 °C am 15.1.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Innsbruck-Uni. (578 m) 2.1 °C, Abw. +3.1 °C
höchste Sonnenscheindauer Brunnenkogel (3437 m) 116 h, Abw. k.A.

Laut Klimabericht der ZAMG war dies österreichweit der drittwärmste Jänner seit Beginn der Aufzeichnungen nach 1796 und 2007 (Quelle: ZAMG).

Gleichzeitig war es auch ein sehr nasser bzw. schneereicher Monat. In Tirol und Vorarlberg der niederschlagsreichste seit 36 Jahren (1982). Stellenweise gab es 330 % mehr Niederschlag als im Mittel, So überrascht es wenig, das es mit 163 mm in Nauders sogar einen neuen Jännerrekord gab. Davon fielen 108 cm als Neuschnee, mehr als doppelt so viel wie üblich (30-jähriges Mittel: 50 cm). In Innsbruck gab es immerhin 33 cm Neuschnee (Mittel: 25 cm). Quelle: ZAMG

Verläufe von Maxima, Minima und Tagesniederschlag von Innsbruck-Universität. Die Höchstwerte entsprachen teilweise eher einem Spätwintertag. Auffallend ist auch die nasse Periode vom 16.-22. Jänner (Quelle: orf.at)

Zu kalt war es eigentlich nie, sondern durchwegs zu warm. Dennoch hat es zu viel Neuschnee in Innsbruck gereicht. Dazu fiel fast dreimal so viel Regen/Schnee wie normal. Durch das trockene Hochdruckwetter und den Föhn zum Schluß gab es auch beim Sonnenschein kaum Defizite (Quelle: ZAMG)




Beliebte Posts aus diesem Blog

Jahresrückblick 2021

  Ein sonniger Herbst entschädigte für einen eher unbeständigen Sommer. Viele geplante Wanderungen konnte man also im September oder gar im Oktober noch nachholen, wie hier im Navistal, Ende September. Das Wetterjahr 2021 geht zu Ende und damit wieder ein Jahr der Extreme. Wieder einmal lagen Schnee- und Wärmerekorde nah beieinander. Trotz Rekordschnee, markanten Spätfrösten, früher Sommerwärme, intensiver Junihitze, sommerlicher Starkregenereignissen und frühem Winterschnee bleibt uns ein wiederkehrendes Element in allen Jahren erhalten. Es war wieder eines der wärmsten Jahre der 255-jährigen Messgeschichte in Österreich.

Schneerekord in Österreich - oder nicht?

  Die Nordalpen versinken in Schnee. Innerhalb von nur 2 Tagen sind lokal über 150 cm Schnee gefallen. Aber ist das nun Rekord?

Jahresrückblick 2019

Schnee, Schnee und noch mehr Schnee gab es im Jänner 2019. Im Bild der Poschenhof am Dreikönigstag oberhalb von Rum auf 900 m In dem Rückblick der ZAMG vor ein paar Tagen konnte man es schon lesen und die letzten Tage des Jahres werden kaum etwas daran geändert haben: Das Jahr 2019 liegt wieder im Spitzenfeld der warmen Jahre, am Ende wird es das drittwärmste Jahr der Messgeschichte sein, örtlich sogar das wärmste seit 1768. Das wärmste Jahr war 2018 (Abweichung +1,8 vom Mittel 1981-2010), gefolgt von 2014 (+1,7) und 2019 ( +1,6 Grad). Danach folgen 2015 (+1,4) und 1994 (+1,2). Von insgesamt 12 Monaten im Jahr 2019 waren 11 wärmer als das Mittel, nur der Mai 2019 war kälter. Der Trend der sehr warmen Jahre setzt sich also unvermindert fort (siehe Grafik unten), besser bekannt als Klimaerwärmung. Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom Mittel 1901-2000. Rot markiert sind zu warme Jahre, blau entsprechend zu kalte Jahre. Die schwarze Linie ist die Trendlinie. In der gesamten M...