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Ein Sommer mit ups and downs ...

Sie prägten den ganzen Sommer: Gewitter waren besonders im Juli und August fast ständige Begleiter in Innsbruck (Foto am 26. August 2017)
Ein Sommer kann ja eigentlich sehr schnell zu Ende gehen. Zwar sieht man die ersten Anzeichen des Winters in Form von Lebkuchen bereits Mitte August in den Regalen liegen, doch meistens stemmt sich die Witterung noch dagegen. Heuer hat es immerhin bis Ende August gedauert, dann kam pünktlich zum meteorologischen Herbstbeginn der Wetterwechsel.
Nichts anderes als eine Kaltfront beendete justament am 1. September die fünfte Hitzewelle und damit den Sommer 2017. Diesmal endgültig. Bei einem Höchstwert von 12 Grad bibberte man am ersten meteorologischen Herbsttag in seinem Eigenheim und sehnte den vergangenen Sommer herbei. Oder nicht? Immerhin hatte der Sommer 2017 wieder eindrucksvoll bewiesen wie der Sommer eigentlich in den Alpen auszusehen hat: kühle Nächte, strahlend sonniger Vormittag, zunehmend bewölkter Nachmittag und Gewitter um 17:00, 19:00, 21:00 ...
Trotz der eher nassen Bilanz war auch dieser Sommer wieder einmal "zu warm". Die Kaltlufteinbrüche Ende Juli und Mitte August waren zwar im Vergleich heftig, aber nicht einmal ansatzweise so stark wie in "unserer" Kindheit. Damals in den 80er Jahren fiel auch im Sommer öfters mal Schnee bis auf Almenniveau. Das ist längst passé. Wir befinden uns "auf hohem Niveau".

Die Zamg zeigt hier in ihrer Sommeranalyse kurz und knapp was Sache war:



Temperatur Tirol

Mit einem Mittel aus allen drei Monaten (Juni 20,7; Juli 19,1; August 19,9) von 19,9 Grad war der Sommer 2017 in Innsbruck um +1,6 Grad wärmer als die durchschnittlichen Sommer von 1981-2010. Damit ist dieser Sommer nach 2003 (Mitteltemperatur 21,1 Grad) und 2015 (20,8 Grad) der drittwärmste Sommer in Innsbruck seit Messbeginn. Die drei wärmsten Sommer in der 250-jährigen Messreihe sind somit allesamt in den letzten 16 Jahren zu finden.

Die höchste Temperatur in Tirol wurde in diesem Sommer in Kufstein mit 36,2 Grad erreicht (1. August), in Hall an der Station des Hydrographischen Dienstes gab es am selben Tag sogar 37,0 Grad (inoffiziell). In Innsbruck lag das Maximum dieses Sommers bei 35,6 Grad (22. Juni). Damit wurde der Juni-Rekord von 36,3 Grad knapp verfehlt.
Ein Beispiel für diesen Sommer der Gegensätze: In Tannheim wurden am Nachmittag des 10. August nur mehr herbstliche 9,4 Grad gemessen, in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) dagegegen hochsommerliche 36,3 Grad. Eine Temperaturspanne von 27 Grad !
Das Österreich-Maximum im Sommer 2017 lag bei 38,9 Grad am 3. August, gemessen in der Wiener Innenstadt.
Die Temperaturgrafik (Abweichung vom Mittel) sagt eigentlich nichts aus: Über den ganzen Sommer gemittelt war es in ganz Österreich +2,0 Grad zu warm und damit war es auch österreichweit der drittwärmste Sommer nach 2003 und 2015 in der 251-jährigen Messgeschichte (Quelle: ZAMG).



Niederschlag Tirol

Während der Juni noch sehr trocken war und der Juli augeglichen, war der August geprägt von Starkregenereignissen. Allein im ersten Drittel fiel schon fast der gesamte Monatsniederschlag, nach einer fast trockenen Woche vom 12. bis zum 19. August war das Monatsende wieder recht nass. Insgesamt prasselten in diesem Sommer in Innsbruck 442 l/m2 Regen vom Himmel und damit um 16 % mehr als im Mittel. Insgesamt gab es 47 Regentage (Tage mit Niederschlag mit mehr als 1 mm) und damit 7 (!) mehr als sonst üblich in der Klimaperiode 1981-2010 (39,9 Tage).
Die nassesten Regionen lagen in jedem Fall in den Lechtaler Alpen, im Karwendel sowie in den Tuxer und Zillertaler Alpen mit bis zu 900 l/m2 Niederschlag (Regen und Schnee). In Relation zur Klimaperiode bedeutet das eine Abweichung von +10 bis +30 %, teilweise sogar +50 % (z.B. in den Tuxer Alpen, siehe untere Grafik).
Problematisch war vor allem der regenreiche August (südlich des Inn teilweise mehr als doppelt so viel Regen wie im Schnitt) und der nasse Monatswechsel zum September. Dadurch kam es zu Murenabgängen und Straßensperren.

Die trockensten Regionen in den Alpen war aber dennoch auch in Tirol zu finden, vom Obersten Gericht bis Innsbruck fielen 250 bis 350 l/m2, ebenso "trocken" waren auch das Montafon und das Lienzer Becken.




Sonnenschein

Die meiste Sonne in Tirol gab es in diesem Sommer in Lienz (736 Stunden), in Innsbruck waren es 703 Stunden (+10 %). Der sonnigste Monat war - wenig überraschend - der Juni mit 254 Stunden.

HISTALP-Bilanz

Zu jeder Jahreszeit wird auch die HISTALP-Bilanz veröffentlicht. Diese zeichnet sich durch hohe Datenqualität und -kontrolle aus. Von allen Wetterstationen werden die mit der höchsten Datenqualität ausgewählt und in vier Regionen und eine Gebirgsregion unterteilt. Der "Westen" setzt sich aus fünf Stationen zusammen. Details gibt es hier.
Im Westen (siehe unten) war es deutlich zu warm (+3,0 Grad, Platz 3), überdurchschnittlich nass (+17 %, Platz 25) und auch überdurchschnittlich sonnig (+13 %, Platz 19).
Während man an der Temperaturkurve in den letzten Jahren zumindest einen deutlichen Trend in den Sommermonaten sieht (seit den 1980er Jahren), so ist es mit dem Niederschlag nicht so eindeutig. Beim Sonnenschein gibt es eine leichte Tendenz nach oben - hier gehen allerdings nur zwei Stationen in die Statistik ein. 


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Mit einem Schneeloch kann man mehrere Dinge meinen.

*) Ort mit sehr viel Schnee. Sprich Alpennordseite bei Nordstau oder Arlberg bei Weststau bzw. Karawanken bei Südstau.

*) Ort mit wenig Schnee, also dort wo der Schnee in ein Loch fällt (sprich Leeeffekt) oder wo man sich ein Loch gegraben hat.

So ein zweites Loch ist beispielsweise Innsbruck - bei manchen Wetterlagen.

Aktueller Stand (Morgen des 12.12.2012) des GESAMTSCHNEEs (Quelle:ubimet)
St. Anton: 92 cm
Hochfilzen: 88 cm
Seefeld: 67 cm
Kufstein: 57 cm
Reutte: 55 cm
Kitzbühel: 45 cm
Landeck: 36 cm
Innsbruck: 16 cm 

Grund: aus dem Nordstau der letzten Tage ist in der Hauptstadt deutlich weniger Schnee gefallen, er wurde durch die Nordkette quasi abgefangen.



WEBCAMS vom Morgen des 12.12.2012










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