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Föhn + astronomischer Herbstbeginn

Das Wetter macht Schlagzeilen: Astronomischer Herbstbeginn, Herbstäquinoktium, Tag-und-Nacht-Gleiche, Föhn und Vollmond an einem Tag. Gut, letzteres hat mit dem Wetter wenig zu tun - glauben aber dennoch viele Menschen. Das dem nicht so ist wurde beim letzten Vollmondereignis, welches das Ende des Sommers einläutete, auf dem wetter.tv-Blog erläutert.

Abb. 0: Satellitenbild vom 24.09. (heute) um 06 UTC: einige Hochnebelfelder im Süden sowie die Cirren der heannahenden Kaltfront im Westen.


Synoptische Ausgangslage
Eine straffe Südanströmung hat die Alpen erfasst, seit Mittwoch melden die Stationen am Alpenhauptkamm schon Südwind, bis jetzt war aber der Druckgradient zu schwach bzw. das Talwindysystem zu stark, alsdass der Föhn im Inntal durchbrechen konnte. Am Vormittag wehte in Innsbruck noch vorföhniger Westwind mit 10,4 m/s Böen  (36 km/h - 20 kn, also Beaufort 5) - inzwischen ist er durchgebrochen (ca. 09 UTC) mit 54 km/h Böen (30 kn- Beaufort 6).

Weitere Windböen in den letzten 24 Stunden (Werte von 10 UTC - 14 UTC):
Patscherkofel 112 km/h
Rudolfshütte 90 km/h - 94 km/h
Sonnblick 72 km/h -76 km/h
Rax / Seilbahn  72 km/h -76 km/h
Leiser Berge 68 km/h - 90 km/h
Jubiläumswarte 65 km/h - 72 km/h
Langenlebarn 61 km/h - 65 km/h
Zugspitze 61 km/h
Wien / Unterlaa 58 km/h - 61 km/h 
Rottenmann (St) 58 km/h - 65 km/h 
Laa an der Thaya 54 km/h - 58 km/h
Innsbruck-Flg 54 km/h - 72 km/h
Innsbruck Uni 54 km/h - 61 km/h
Windischgarsten 50 km/h - 61 km/h
Brand 47 km/h - 61 km/h


Tmax (Top5 - 14 UTC)
Salzburg / Freisaal 26,6 Grad
Wieselburg + Loosdorf 26,4 Grad
Waidhofen / Ybbs   25,9 Grad
Kufstein 25,7 Grad

Man bedenke aber hier die unterschiedlichen Einflussfaktoren, die Stationen im Westen haben föhnbedingt starke Böen (auf den Bergen mehr), im Osten spielt die Kanalisierung desWindes bzw. die Umströmung des Wienerwaldes die entscheidende Rolle.
Der Radiosondenaufstieg von Innsbruck zeigt wieder einmal die sehr eindrucksvolle Föhnschicht, die in der Früh um 5 MESZ bis 750 m gereicht hat! Die darunter liegende Inversion ist aber bei stärker werdendem Föhn aufgebrochen worden.

Abb. 1: Radiosondenaufstieg von Innsbruck, 24.09.2010 um 03 UTC
Betrachtet man der Verlauf des reduzierten Bodendruck der relevanten Stationen (Bozen - München) so deutet sich eine Verstärkung des Drucks mit Herannahnen der Kaltfront (ca. 18 UTC) an:


Abb.2 Vergleich Realität (Druckdifferenz Bozen - München) mit dem Modell (ECMWF run2010092400 [rot]) -- (c) alpen.wetter
Der Druckfall im Süden durch das sich verstärkende Tiefdruckgebiet über Norditalien erwirkt in weiterer Folge einen Ausgleich des Druckgefälles und sorgt somit für eine Abschwächung des Windes in der Höhe. Das Leetief im Norden wird wiederum duch die Herannahende Kaltfront abgeschwächt.
Das Druckdiagramm der meteocentrale zeigt denselben Verlauf, als Referenzstationen gelten hier Lugano (äquivalent zu Bozen) und Zürich (entspricht München).
Abgelöst wird die dreitäge Südföhnphase also durch eine markante Nordföhnphase (11 hPa).

Abb. 3: Die Vorhersage der Druckdifferenz in Hektopascal [hPa] zwischen Lugano und Zürich basiert auf den MOS-Daten des ECMWF-Modells (c) meteocentrale.ch


Schaut man weiter nach Osten macht sich auch Wien eine Föhnschicht bemerkbar, die jedoch durch eine Iversion von der Grundschicht entkoppelt ist."Würde" der Föhn durchbrechen gäbe es in Wien an die 30 Grad. So macht sich aber "nur"sein böiger Südostwind bemerkbar (siehe Tabelle der Windböen - Jubiläumswarte mit höheren Böen als z.B. Brand in Vorarlberg).

Abb. 4: Radiosondenaufstieg vonWien, 24.09.2010 um 00 UTC
Ausblick:
Die Kaltfront hat - wie immer - kältere Luft und Regenschauer im Gepäck.Durch das Tief im Süden bekommt vor allem Kärnten und Südtirol einiges ab. Im Norden streift die Kaltfront durch - Schnee fällt bis 2000 m und. Der Samstag wird somit wechselhaft, im Osten noch am längsten trocken. Am Sohntag wird es mit Abziehen der Front im Westen schon allmählich trocken bei etwas Sonne, sonst überwiegen dichte Wolken und Regen.

Die Niederschlagsschwerpunkte liegen bei diesem Ereignis im Dreiländerecke Deutschland-Tschechien-Polen
sowie in den Südalpen: Slowenien wird in den nächsten wieder einiges an Regen abbekommen. Und das obwohl letztens innerhalb von 3 Tagen schon ein Fünftel des Jahresniederschlags gefallen ist!

Abb. 5: 72-stündiger Gesamtniederschlag (GFS - heutiger 06z run)
Das europäische Modell berechnet das Ereignis ebenso kräftig:
Abb. 6: Niederschlagsprognose Freitag 0700 MESZ bis Montag 07 MESZ



Fazit: Es wird also in den kommenden 3 Tagen im gesamten Alpenbereich regnen und schneien ...

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Quellen:
Satellitenbild: Eumetsat / UBIMET (Abb. 0)
Radiosondenaufstiege: University of Wyoming (Abb.1 + 4)
Druckdifferenz Bozen - München: Druckwerte entnommen von University of Wyoming (METAR); Modellwerte entnommen von wetter24.de - verarbeitet von alpen.wetter (Abb. 2)
Vorhersage der Druckdifferenz Lugano-Zürich: meteocentrale.ch (Abb. 3)
Modellkarten: GFS run 2010092406z - wetterzentrale (Abb. 5) spwie Niederschlagsprognose 72 Stunden bergfex.at/ZAMG Tirol (Abb. 6)

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Das Schneeloch

Mit einem Schneeloch kann man mehrere Dinge meinen.

*) Ort mit sehr viel Schnee. Sprich Alpennordseite bei Nordstau oder Arlberg bei Weststau bzw. Karawanken bei Südstau.

*) Ort mit wenig Schnee, also dort wo der Schnee in ein Loch fällt (sprich Leeeffekt) oder wo man sich ein Loch gegraben hat.

So ein zweites Loch ist beispielsweise Innsbruck - bei manchen Wetterlagen.

Aktueller Stand (Morgen des 12.12.2012) des GESAMTSCHNEEs (Quelle:ubimet)
St. Anton: 92 cm
Hochfilzen: 88 cm
Seefeld: 67 cm
Kufstein: 57 cm
Reutte: 55 cm
Kitzbühel: 45 cm
Landeck: 36 cm
Innsbruck: 16 cm 

Grund: aus dem Nordstau der letzten Tage ist in der Hauptstadt deutlich weniger Schnee gefallen, er wurde durch die Nordkette quasi abgefangen.



WEBCAMS vom Morgen des 12.12.2012










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