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Kurzer Rückblick auf die Unwetter in Slowenien


Für viele unbemerkt gingen in den Südalpen (Julische Alpen, Karawanken) in den letzten Tagen kräftige gewittrige Regenschauern nieder. Neben den enormen Niederschlagssummen (bis zu 300 mm) beeindruckte dieses Ereignis vor allem durch seine Dauer (3 Tage). Von Donnerstagnacht bis Sonntagfrüh ergossen sich mehrere 100 Liter Wasser pro Quadratmeter über weite Teile Sloweniens.
Den Grund einzig in einem Italientief zu suchen ist in diesem Fall zu wenig. Diese sorgen zwar in dieser Region häufig für große Niederschlagsmengen - vor allem im Winter - aber dieses Ereignis ist auch vor allem auf die extremen Luftmassengegensätze bzw. deren aufeinanderprallen zurückzuführen.

Die Analyse der Theta_e (Abb. 1) zeigt das wetterbestimmende Tiefdruckgebiet mit Zentrum über Skandinavien und die nach Süden ausgreifende Kaltfront. Im Laufe des Freitags schwappte diese über den Alpenhauptkamm nach Süden.

Abb. 1: Analyse der Theta_e in 850 für Europa, Freitag 12 UTC
Hier traf sie auf die vom Italientief herangeführte maritime und feuchte Warmluft. Die Analyse des 850-hPa Windfelds zeigt das Zusammenströmen (Konfluenz) direkt über den Südalpen.

Abb. 2: Analyse des Windfelds in 850 hPa für den Freitag 12 UTC

Innerhalb von 24 Stunden bewegt sich die Frontalzone kaum weiter - sie liegt somit stationär über Friaul-Julisch-Venetien und Slowenien sowie auch über den Karawanken. Durch ein weiteres Tief (nicht abgebildet) wird die Zufuhr an feuchtwarmer Luft nicht gestoppt, sondern verstärkt die Niederschläge in der Nacht auf Sonntag.
Abb. 3: Analyse der Theta_e in 850 hPa für den Freitag 12 UTC

Abb. 4: Analyse der Theta_e in 850 hPa für den Samstag 12 UTC
Lokal kommt es auch zu Staueffekten, in Vogel (Julische Alpen auf 1500m) fielen mit 350 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 72 Stunden enorme Mengen. Ein Skigebiet nahe der slowenisch-österreichischen Grenze, das auch im Winter desöfteren mit außergewöhnlichen Schneemengen aufwartet.

Die weiteren Werte (Station / 24 h / 48 h / 72 h) in Liter / Quadratmeter (=mm):

Ljubljana - Bezigrad / 44 / 184 / 362
Vogel / 79 / 286 / 350
Ljubljana - Katarina / 60 / 216 / 317
Vojsko / 41 / 160 / 278
Postojna 4 / 99 / 231
Celje / 36 / 154 / 219
Kredarica / 51 / 176 / 217


Grafisch dargestellt sieht das so aus (ergänzt duch weitere slowenische sowie Werte der Nachbarländer):

Abb. 5: 72 h - Summen (Donnerstag 17.09. 06 UTC bis Sonntag 19.09. 06 UTC) -- Karte (c) google2010
Zum Vergleich: eine durchschnittliche Badewanne fasst etwa 150 Liter. Innerhalb von drei Tage wurden also bis zu  2 volle Badewannen pro Quadratmeter ausgeleert. Kein Wunder also, dass diese Wassermassen irgendwohin fließen müssen. Solche Extremereginisse kommen zwar auch hier selten vor, trotzdem sind die Flüsse anders dimensioniert als beispielsweise in trockeneren Regionen Europas (z.B. Vinschgau oder Marchfeld). Sie nehmen mehr Wasser auf und transportieren es auch relativ rasch weiter.

Vor allem in der Hauptstadt Ljubljana führten der Regen zu einem Anstieg der Pegel sowie zu Überflutungen (siehe Artikel im Standard am Samstag).

Abb. 6: Hochwasser in der Nähe von Ljubljana (c) wunderground.com
Ein Video von youtube zeigt auch die dramatischen Ausmaße des Starkregens:



In Slowenien starben zwei Menschen, weitere hundert sind obdachlos. Also Folge des Hochwassers brachen auch weitere Dämme und und sorgten in Kroatien, flußabwärts der Sava bzw in Istrien, für weitere Überflutungen (bloomberg.com)

Weitere Blogeinträge zu diesem Thema:
  1. MS - Blog
  2. wetter.tv

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Quellen: 
Wetter-Analysekarten von wetter3.de (Abb. 1 - 4)
Wetterdaten von UBIMET bzw. slowenischer Wetterdienst (Abb. 5)

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