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November 2020: extrem mild und trocken

 

Sonnenschein pur, wenig Regen und besonders auf den Bergen sehr warm. Das war der November 2020, Foto: alpen.wetter

Der November 2020 war das, was man ein Kontrastprogramm nennt. Denn er war der klare Gegensatz zum diesjährigen Oktober. Dieser fiel ja bekanntlich durch Kälte, Nässe und ersten Schnee auf. Während im Oktober etliche Sportler*innen also ihre ersten Skitouren auf die üblichen Bergen machten, musste im November wieder umgesattelt werden auf Bike, Wanderschuhe und kurze Hose. Nach Angaben der ZAMG war es auf den Bergen der drittwärmste November (+3,9 Grad Abweichung zu Mittel) seit Messbeginn 1851, nur 2011 (+4,5 Grad) und 2014 (+4,4 Grad) waren wärmer.

Temperatur November 2020: Abweichung der Temperatur vom Mittel 1981-2010. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 30.11.2020. Quelle ZAMG.

Ein Hochdruckgebiet nach dem anderen versorgte den Alpenraum mit trockener Luft, außerdem schob sich von Südwesten relativ milde Luft heran. Und so war es ohne große Luftdruckgegensätze, ohne starken Föhneinfluss also, die meiste Zeit über ungewöhnlich warm und trocken. Selbst in der  zweiten Novemberhälfte wurden in der Höhe noch Wärmerekorde verzeichnet. Am Jungfraujoch (3.580 m) in der Schweiz maß man mit +6,2 Grad am 18.11. die höchste Novembertemperatur überhaupt und am selben Tag wurde an der höchstgelegenen Station Österreichs (Brunnenkogel, 3.429 m) mit +5,0 Grad immerhin die dritthöchste Novembertemperatur gemessen. Die Radiosonde von Payerne (CH) detektierte an diesem 18.11. die Nullgradgrenze auf 4.240 m. Rekord. Und immerhin wird dort seit 1954 täglich eine Sonde in die Atmosphäre geschickt.

Wo reiht sich dieser November also klimatologisch ein? In Innsbruck war es mit 4,8 Grad (+0,9) zwar mild, aber eine ganze Reihe von Novembermonaten war deutlich milder, in den letzten Jahren z.B. 2015, 2018 oder der wärmste November der Messgeschichte 2014 (Blogeintrag hier). Damals gab es 10 Föhntage in Innsbruck und keinen Frosttag. 

Trocken war es auch: österreichweit fiel diesen Monat 74% weniger Niederschlag als normal und somit gehört er zu den 10 trockensten seit Beginn der Messungen (1858). Unvergessen ist der November 2011, der gänzlich trocken ausfiel. Krass sind auch die Gegensätze zu vergangenen Jahren, der November 2019 war z.B, deutlich nasser und kühler (hier der Rückblick). In Lienz wurde mit 435 mm ein neuer Monatsrekord aufgetellt, in Innsbruck fielen immerhin 124 mm.

In einem Thermopluviogram kann man die Abweichung von Niederschlag und Temperatur zum Mittelwert gut darstellen. Bei Temperaturen wird die Abweichung in Grad aufgetragen, beim Niederschlag im Verhältnis zum Mittel (in %). Auf einen Blick sieht man so, wo sich ein Monat im langjährigen Vergleich einreiht. Eindeutig war dies also ein zu trockener und zu warmer Monat. Quelle: alpen.wetter, Daten: ZAMG


Anders lässt sich die Bilanz am Patscherkofel ziehen. Mit +1,4 Grad Mitteltemperatur  (+4,4 Grad Abw.) war es der zweitwärmste November seit Beginn der Messungen 1931. Und man sieht hier an den Temperaturen der letzten 90 Jahre: es wird hier auf über 2.200 m im November immer wärmer. Die wärmsten drei Jahre sind durchwegs in diesem Jahrzehnt aufgetreten, das gleitende Mittel (21 Jahre) geht auch seit 20 Jahren nach oben.


 

Die Niederschlagsmessung ist im Gebirge generell immer mit Messungenauigkeiten versehen, besonders in der kalten Jahreszeit (Windeinfluss, Schneefall). Aber bei den verfügbaren Daten (ZAMG Spartacus seit 1968) zeigt sich, dass auch hier nur eine Hand voll Jahre trockener waren. Dargestellt sind hier nur die Jahre seit 1968.

Am Patscherkofel war dieser November 2020 der zweitwärmste seit Messbeginn 1931 und auch einer der trockensten. Quelle: alpen.wetter, Daten: ZAMG

Sonnenschein

Wie so oft bei Hochdruckwetterlagen im Herbst war das Bergland von Sonne verwöhnt, während das Flach- und Alpenvorland unter dem Nebel stöhnt. So gab es am Brunnenkogel 223 Stunden Sonne, auf der Villacher Alpe 208 Stunden, am Sonnblick 196 Stunden und am Patscherkofel 183 Stunden. Häufig trüb war es im Klagenfurter Becken, zwischen 8. und 20.11. gab es in Klagenfurt gar keine Sonne. Mit nur 56 Sonnenstunden war Klagenfurt einer der trübsten Orte des Landes. Dennoch war im Flächnemittel die Summe an Sonnenstunden um 40 Prozent höher als im Schnitt. Damit gehört der November 2020 zu einem der fünf sonnigsten der Messgeschichte (ZAMG 2020).

Regen und Schnee

Eine weitere Folge des Hochdruckwetters: kaum Niederschlag, geschweige denn Schnee. Gerade einmal 9 mm Niederschlag kamen in Obergurgl zusammen, das waren 7 cm Neuschneesumme (Klimamittel 70 cm). In Prutz oder Döllach (K) fielen gerade einmal 1,3 mm Niederschlag, in Nauders waren es 1,5 mm. Gute 10 mm kamen in Lienz zusammen und 11 mm in Innsbruck. Gut, der Negativrekord vom November 2011 wurde klar verfehlt, da fielen in Nordtirol sogar nur 0,0 mm. Die Folgen sind aber dieselben: apere Wiesen bis weit hinauf und nur in Schattenlagen und auf den Nordseiten etwas Schnee.

Aus dem Bayern-Radar kalibrierte Niederschlagssummen für Tirol. Im ohnehin sehr trockenen Oberland meist nur einstellige Werte, in Richtung Süden sogar noch weniger (kann aber auch mit der Entfernung des Radars zu tun haben). Quelle: kachelmannwetter.com
 

Schneeklima

Die jüngsten Untersuchungen der ZAMG zeigen ja ein drastisches Bild für den Winter. In tiefen Lagen wird der Schnee immer seltener, die Tage mit Schneebedeckung geht drastisch zurück. In Innsbruck ist die Zahl der Tage mit Schneedecke von 1930 bis 2020 von im Schnitt 61 auf 44 zurück gegangen (- 30 %). Sie bildet sich immer später und taut vor allem immer früher auf. In höheren Lagen (über 1.500 m) gibt es in Zukunft sehr wahrscheinlich weniger Probleme mit dem Schnee, da dort eine Erwärmung von 1 bis 2 Grad weniger Einfluss auf Schneefall und die Schneedecke hat.

Anzahl der Tage mit Schneedecke für die Wintermonate Dezember, Jänner, Februar 1930-2020. Maximal sind es also 90 bzw 91 Tage, diese gab es selbst in den kalten 1960ern selten. Der letzte wirklich schneereiche Winter in Innsbruck war 2005/06 mit über 80 Tagen Schnee. Quelle: ZAMG
 

Dennoch: mit den herbstlichen Hochdrucklagen und den trockenen Novembermonaten taucht ein neues Problem auf. Es ist zu warm um technisch zu beschneien und die Speicherteiche werden nicht mehr mit Regen oder Schnee gefüllt. Der Kunstschnee ist inzwischen die Basis für eine lang haltbare Skipiste, ohne Schneekanonen und -lanzen geht es nicht mehr. Aber bei grünen Wiesen und nur schmalen weißen Bändern kommt ohnehin kaum Winterstimmung auf. Dann doch besser aufs Rad oder zu Fuß.

Kals am Großglockner (1.350 m), stellvertretend für die Schneearmut im Alpenraum. Der natürliche Schnee blieb bisher aus und man behilft sich künstlicher Maßnahmen. Immerhin war es in den letzten Nächten oft kalt genug (Quelle: foto-webcam.eu)

Klimawerte Tirol (Quelle: ZAMG)

Niederschlagsabweichung

-83%

Temperaturabweichung

+1.6 °C

Abweichung der Sonnenscheindauer

63%

Temperaturhöchstwert

Ehrwald (982 m) 20.6 °C am 2.11.

Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)

Brunnenkogel (3437 m) -19.0 °C am 21.11.

Temperaturtiefstwert unter 1000 m

Ehrwald (982 m) -8.5 °C am 30.11.

höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur

Innsbruck-Uni. (578 m) 4.8 °C, Abw. +0.9 °C

höchste Sonnenscheindauer

Brunnenkogel (3437 m) 223 h, Abw. k.A.

Daten: Vergleiche mit Klimamittel 1981-2010, Monatswerte mit Stand 01.12.2020, Danke an wetterblog.at für die Datenlieferung!

Quellen:

ZAMG (2020): November 2020 sehr trocken und im Bergland größtenteils sehr sonnig und mild, https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/november-2020-sehr-trocken-und-im-bergland-groesstenteils-sehr-sonnig-und-mild, 01.12.2020

ZAMG (2020): Winter in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Immer milder, in tiefen Lagen weniger Schnee, https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/winter-in-deutschland-oesterreich-und-der-schweiz-immer-milder-in-tiefen-lagen-weniger-schnee, 19.11.2020

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