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Ein durchwachsener Juni 2020


Tropfenästhetik. So gut der Regen der Natur auch tat: am schönsten war die Nässe, wenn sie nicht von oben kam.
Der Juni gilt ja als erster Sommermonat und somit verbinden viele mit ihm bereits sommerliche Hitze, Trockenheit und vielleicht noch Gewitter. Wenn dann aber die Hitze die meiste Zeit über auslässt und es großteils "nur" warm ist bei gleichzeitig durchschnittlichen Regenmengen, so heißt es gleich "wo bleibt der Sommer?"
Da ist man sofort in Erklärungsnot obwohl die Antwort ganz einfach ist: in den Junimonaten der letzten Jahre gab es oft schon große Hitze (letztes Jahr die abartigen 38,5 Grad in Innsbruck) und Mensch gewöhnt sich ja recht schnell an eine "neue Normalität". Im Gedächtnis war und ist vielen vielleicht noch der letzte Juni. Dieser war aber in seiner Form schon abnormal heiß, denn mit einer Abweichung von österreichweit +4,7 Grad war der Juni 2019 der heißeste Juni der Messgeschichte.



Die Betrachtung der sehr langen Messreihe in Innsbruck zeigt die deutliche Erwärmung seit den 1990er Jahren. Zur besseren Veranschaulichung ist ein 30 jähriger Trend (schwarz) eingefügt. Diese geglättete Kurve zeigt eindeutig nach oben. Die extrem Ausreißerjahre, die oft gebündelt auftraten, heben sich deutlich ab. Der heurige Juni ordnet sich im Bereich des Mittels (1981-2010) ein, solche Juni-Monate gab es zuletzt aber auch immer wieder.

Seit den 1990ern dominieren die "zu warmen" Juni-Monate, wobei man sieht, dass es neben den extrem heißen Junis in den Jahren 2003, 2017 und 2019 auch einige durchschnittliche und zu kühle Junis gab.
Normal für unser Juni-Klima ist aber: sommerliche Wärme sowie Schauer und Gewitter. Durch den Klimawandel und die sehr heißen letzten Junimonate (2003, 2017, 2019) steigt die "Erwartungshaltung" an den Juni schon an. Trotz trockener Felder und sinkendem Grundwasserspiegel.

Nun war dieser Juni ist erster Linie wechselhaft mit einigem Regen, durchschnittlichen Temperaturen und weniger Sonnenschein als normal. Laut Klimarückblick der ZAMG lag der Juni 2020 österreichweit um 0,5 Grad über dem Klimamittel 1981-2010, der Niederschlag 30 Prozent über dem Mittel und die Sonnenstunden 13 Prozent unter dem Mittel.

Die Trockenheit der letzten Monate (der trockenste Frühling seit über 70 Jahren) wurde gelindert bzw. gab es örtlich einen deutlichen Überschuss. Temperaturtechnisch lag man in Innsbruck ohne nennenswerte Hitzewelle oder Kaltlufteinbruch genau im Mittel (2020: 17,3; Mittel 1981-2010: 17,2 Grad).

Temperatur- und Niederschlagsverlauf in Innsbruck (Uni). Es gab keine ausgeprägte Hitzewelle, dafür aber reichlich Niederschlag an fast der Hälfte aller Tage. Quelle: wetter.orf.at

Also summa sumarum war das einfach ein durchschnittlicher Juni in Hinsicht auf Mitteltemperatur und Niederschlagssumme. Bei einzelnen speziellen Tagen sieht das anders aus. In Innsbruck gab es beispielsweise nur 1 Tropentag (Tmax größer 30 Grad), normal sind 4, und 10 Sommertage (Klimamittel 1981-2010: 13 Tage). Dazu 12 Tage mit Regen (Niederschlagsmenge größer 1 mm). Das sind sogar 2 Regentage weniger als im Klimamittel (1981-2010: 14). Dazu gab es 178 Stunde Sonne, normal sind es 196. Letztes Jahr, in dem Rekordjuni, waren es 296 Stunden in Innsbruck.


Temperatur im Juni 2020: Abweichung der Temperatur vom vieljährigen Mittel 1981-2010. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 29.6.2020. Quelle ZAMG
Niederschlag im Juni 2020: Vergleich des Niederschlags mit dem vieljährigen Mittel 1981-2010. 100 Prozent entsprechen dem Mittel. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 29.6.2020. Quelle ZAMG.

 

Klimawerte Tirol (Quelle: ZAMG)

Niederschlagsabweichung 38%
Temperaturabweichung +0.1 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer -18%
Temperaturhöchstwert Innsbruck-Uni. (578 m) 32.1 °C am 27.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Brunnenkogel (3437 m) -6.3 °C am 5.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 m Ehrwald (982 m) 3.1 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Innsbruck-Uni. (578 m) 17.3 °C, Abw. +0.1 °C
höchste SonnenscheindauerPatscherkofel (2251 m) 173 h, Abw. -4 %




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