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Der zweitwärmste Winter seit Messbeginn


Das war er also, der zweitwärmste Winter in den letzten knapp 250 Jahren. Österreichweit war es +2,7 Grad wärmer im Vergleich zum langjährigen Klimamittel 1981-2010, in Innsbruck war die Abweichung ebenfalls +2,7 Grad. Erst einmal war es in einem Winter (meteorologisch: 01.12.-28/29.02.) wärmer als heuer: Winter 2013/14 war in Österreich sogar +3,4 Grad zu warm, in Innsbruck +3,2 Grad. Man sieht es oben am Trend (30 jähriges gleitendes Mittel): die Winter werden seit den 1950er Jahren wärmer. Die kühleren Winter werden seltener - den letzten zu kalten Winter gab es 2011/12 - und die wärmeren häufiger. So sind die sechs wärmsten Winter in den letzten 25 Jahren aufgetreten.

Ein Winter ohne Kältewelle, exemplarisch in Innsbruck. Die viel zu kalten Tage (blau) kann man an zwei Händen abzählen. Dafür gab es lang andauernde Wärmeperioden vor Weihnachten, Ende Jänner und zwei Drittel des Februars. Quelle: ZAMG

So überrascht es nicht, dass es in Innsbruck keinen einzigen Eistag gab (Tagesmaximum unter 0 Grad), im langjährigen Schnitt sind immerhin 13 Eistage zu erwarten (Klimamittel 1981-2010). Bezüglich Schneedecke war es in Innsbruck auch eher mau, an gerade einmal 12 Tagen lag an der Station der Universität Schnee, im Mittel sind es 50 Tage mit mindestens 1 cm Schnee. Insgesamt fielen nur 25 cm Neuschnee (im Durchschnitt sind es 80 cm). Man musste aber nicht weit fahren um mehr Schnee zu sehen. In Seefeld (1.182 m) gab es mit 240 cm Neuschnee immerhin um 20 cm mehr als im Durchschnitt.
Neben Südföhn- und Hochdruckwetterlagen im Dezember und Jänner waren es im Februar vorwiegend stürmische Westwetterlagen, die in diesem Winter dominant waren. Meistens war es also einfach zu warm für Schneefall, die Niederschlagsmengen waren mit 127 mm nämlich durchschnittlich (Mittel 1981-2010: 130 mm).
Dabei war ein klares Nord-Süd-Gefälle in diesem Winter auch zu beobachten. Während sich an der Alpennordseite 300 bis 400 mm summierten (Kufstein: 293 mm, Reutte: 303 mm, Tannheim: 406 mm), waren es in Osttirol meist nur 50 mm (Lienz: 53 mm, davon 45 mm im Dezember). Zum Vergleich: im extrem nassen November 2019 fiel in Lienz die Rekordmenge von 416 (!) mm.

Ende Februar im mittleren Inntal. Bis 1.000 lag wenig bis gar nichts, auf 1.200 (Seefelder Plateau) 60 cm, auf 2.000 m immerhin 200 cm. Vor einem Jahr konnte man auf der Seegrube 300 cm Schnee messen, in Seefeld 80 cm. Auch im Unterland lag letztes Jahr deutlich mehr Schnee: 137 cm in Hochfilzen (heuer 40), St. Ulrich 128 cm (heuer 40) und in Kössen knapp 90 cm (heuer: nix). Foto: alpen.wetter

Am 18. Februar waren bereits die ersten Frühlingsboten zu sehen (Foto: alpen.wetter)

Klimadaten Tirol Winter 2019/20 (Quelle: ZAMG)

Niederschlagsabweichung Nordtirol 13%, Osttirol -37%
Temperaturabweichung +2.5 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 8%
Temperaturhöchstwert Innsbruck-Uni. (578 m) 20.7 °C am 24.2.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Brunnenkogel (3437 m) -22.7 °C am 20.1.
Temperaturtiefstwert unter 1000 m Ehrwald (982 m) -15.4 °C am 20.1.
höchstes Wintermittel der Lufttemperatur Innsbruck-Uni. (578 m) 2.6 °C, Abw. +2.7 °C
höchste Sonnenscheindauer Brunnenkogel (3437 m) 408 h, Abw. k.A.

Klimagrafiken (Klimamonitoring Spartacus, ZAMG)


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Das Schneeloch

Mit einem Schneeloch kann man mehrere Dinge meinen.

*) Ort mit sehr viel Schnee. Sprich Alpennordseite bei Nordstau oder Arlberg bei Weststau bzw. Karawanken bei Südstau.

*) Ort mit wenig Schnee, also dort wo der Schnee in ein Loch fällt (sprich Leeeffekt) oder wo man sich ein Loch gegraben hat.

So ein zweites Loch ist beispielsweise Innsbruck - bei manchen Wetterlagen.

Aktueller Stand (Morgen des 12.12.2012) des GESAMTSCHNEEs (Quelle:ubimet)
St. Anton: 92 cm
Hochfilzen: 88 cm
Seefeld: 67 cm
Kufstein: 57 cm
Reutte: 55 cm
Kitzbühel: 45 cm
Landeck: 36 cm
Innsbruck: 16 cm 

Grund: aus dem Nordstau der letzten Tage ist in der Hauptstadt deutlich weniger Schnee gefallen, er wurde durch die Nordkette quasi abgefangen.



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