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Starker Föhnsturm im Tal, heftiger Orkan auf den Bergen

Vorboten des Föhnorkans: Der Glungezer (2.677 m) und der Patscherkofel (2.248 m) steckten ihre Gipfel schon heute Freitag in die Föhnluft. Über ihn waberte eine lenticularis-artige Wolke bei Windböen um 100 km/h. Im Tal war es bei Böen bis zu 65 km/h und Maximalwerten von frühlingshaften 16/17 Grad noch recht ruhig (Foto: alpen.wetter)
Eine in ihrer Art einzigartige Föhnsturm-Wetterlage zeichnet sich für den morgigen Samstag ab. Ausgehend von einem Tiefdruckkomplex über Westeuropa befindet sich der Alpenraum in der so typischen Süd-/Südwestlströmung, die eben den klassischen (hochreichenden) Föhn ausmacht. Hohe  Maxima der Windgeschwindigkeiten (Mittelwind zwischen 100 und 120 km/h) lassen sich praktisch in allen (modellierten) Höhenlagen der gängigen Wettermodelle wiederfinden.
Quer über die Alpen baut sich so ein Druckgradient von 12 bis 13 hPa aus, die Luft überströmt den Alpenhauptkamm, zwängt sich durch die Brennersenke und schießt durch das Wipptal nach Norden. Der Patscherkofel wird morgen Samstag Böen über 150 km/h erleben, möglich sind 160 bis 180 km/h. Der Rekord liegt bei 207 km/h. In den letzten Jahren wurden am Innsbrucker Hausberg diese maximalen Böen registriert:
  • 202 km/h am 30.04.2008
  • 195 km/h am 16.11.2002 
  • 184 km/h am 04.11.2014
In Innsbruck wird der Föhn an diesem stark frequentierten Einkaufssamstag und Urlauberschichtwechseltag am späten Vormittag durchbrechen. Dabei sind bis zum Abend Windböen bis zu 110 / 120 km/h möglich, also ebenfalls Föhn in Orkanstärke. Aufzupassen gilt es hier vor abbrechenden Ästen und Zweigen, Baugerüsten, Plastikplanen, Verkehrsschildern, Dachschindeln, etc.  Die Bäume und Sträuche sind in dieser Jahreszeit zum Glück noch nicht belaubt, ganze Bäume könnten jedoch trotzdem umstürzen. Immerhin waren die letzten Tage recht mild und die Böden sind nicht mehr gefroren.
Vor Touren im Hochgebirge ist in jedem Fall abzuraten, die meisten Bergbahnen werden wahrscheinlich auch die Dienste ihrer exponiertesten Bahnen quitieren.
Ein Föhnsturm in dieser Form ist selbst für die föhnerprobte Stadt Innsbruck ein heftiges Ereignis. "Normal" sind Windspitzen bis zu 80 bis 100 km/h, morgen sind eben bis zu 120 km/h möglich.

Strömungslage in 5.500 m Höhe. Der Alpenraum liegt Samstagmittag unter einer strammen Südströmung (Quelle: wetterzentrale)

Vor lauter Windbarben erkennt man die Werte fast nicht. Bis zu 70 Knoten (130 km/h) Mittelwind rechnet das GFS für Samstagmittag. Die Böen liegen wahrscheinlich zwischen 160 und 180 km/h, auch mehr sind möglich (Quelle: wetterzentrale)
Das von den europäischen Wetterdiensten hauptsächlich verwendete ECMWF-Modell rechnet in dieser Darstellung mit Mittelwinden von 60 bis 65 kn (110 bis 120 km/h) - Quelle: meteogroup



Saharastaub wird auch mitgewirbelt bei diesem Ereignis. Das hat zwar nicht zwingend einen Einfluss auf die Stärke des Föhns, wohl aber auf die Art und Dicke der Bewölkung. Dichter Cirrostratus ist möglich (Quelle: http://forecast.uoa.gr)


Unglaublich die Druckdifferenz von 13 hPa zwischen Bozen und Innsbruck (Quelle: wetteralarm.at)

Die Warnungen

Hier als Übersicht die Warnungen der ZAMG und der Österreichischen Unwetterzentrale. Die ZAMG warnt mit der Klimatologie im Hintergrund (daher ist Innsbruck orange und nicht rot, da hier häufiger starke Windgeschwindigkeiten vorkommen), die UWZ mit einer fixen Warnschwelle (Windspitzen über 100 km/h im Flachland sind rot). Man erkennt in jedem Fall ein verbreitetes Sturmereignis, das den gesamten Westlichen Alpenhauptkamm sowie die angrenzenden Täler umfasst. Besonders gefährdet sind vor allem die Nord-Süd ausgerichteten Täler wie das Brandner Tal, das Wipptal, das Zillertal und die Tauerntäler (Gasteiner Tal, Rauriser Tal). 
In den Warnungen des Amerikanischen Wetterdienstes ist auch immer abgebildet, wieviele Personen von einem Unwetterereignis betroffen sind, das hat sich in Europa leider noch nicht durch gesetzt. Geschätzt werden das allein im Raum Innsbruck 180.000 bis 200.000 Personen sein.




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