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Analyse des Föhnorkans


Das Dach der Siegmairschule in Pradl Ost wurde durch den Föhnsturm arg beschädigt. Die Feuerwehr in Innsbruck sprach aber von einem gewöhnlichen Föhntag in Innsbruck (Quelle: zeitungsfoto.at)

Vom Föhn betroffen war auch das Zillertal wie hier in Finkenberg. Bäume sind auf eine Stromleitung gefallen und hatten ein Feuer ausgelöst (Quelle: zoom-tirol)
Wie sagt man so oft: "Angesagt Katastrophen finden nicht statt." Man kann aber auch sagen: es wurde sehr gut gewarnt, alle (Feuerwehren, Katastrophenschutz, Seilbahnbetreiber, etc. ) waren gut auf die Wettersituation eingestellt und daher ist relativ wenig passiert. Die Wetterdienste warnten im Großteil Tirols vor extremen Orkanböen im Gebirge (160 km/h) und Böen bis Orkanstärke im Tal (120 km/h). Das war auch aufgrund der Modellvorhersagen (großer Druckgradient, starke Südanströmung, entsprechende statisitische Vorhersagen) auch legitim und war nicht übertrieben.

Wenn man nämlich einen Blick auf die größten Windböen vom Samstag wirft (untere Abbildung), so fällt zwar auf, dass es just am Flughafen und an der Uni "nur" Böen von 86 bzw. 80 km/h gegeben hat, aber es durchaus auch stärkere Böen im Tal gegeben hat (Station im Olympischen Dorf mit 116 km/h). Eine Messstation der Austrocontrol hat am Flughafen 93 km/h gemessen. Auf den Bergen waren es sogar 161 km/h am Patscherkofel, 174 km/h auf der Zugspitze und als Maximum in Tirol 187 km/h auf der Elferspitze (Lawinenwarndienst). Dadurch, dass es etliche Betreiber von Wetterstationen gibt, war das Zusammentragen der Daten sehr aufwändig.
Leider gibt es nicht überall Windstationen, sodass es größere Lücken gibt, wie etwa zwischen Innsbruck und Jenbach. Da es aber auch diesmal wieder zu Föhnsturmschäden kommt (diesmal an einem Dach in Absam), kann man die Windstärken dort zumindest abschätzen. Zu umgestürzten Bäumen und in Folge Straßensperren ist es im Sellraintal, im Wipptal sowie im Zillertal gekommen.




Windspitzen am Samstag, 4. März 2017, im Großraum Innsbruck sowie die in den Medien genannten größten Schadensfälle (umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen, abgedeckte Dächer). Die Windspitzen auf den Bergen sind rot, jene in den Tälern blau dargestellt. Dank geht an die ZAMG und die austrocontrol für die zur Verfügung gestellten, nicht öffentlich zugänglichen, Daten. Quelle der restlichen Daten: lawis.at, ZAMG, stefanjud.net. Karte: Quelle, OpenStreetMap



Spitzenböen (tabellarisch)







Timelapse von ca. 13.00 bis 18:30 (1 Bild/10s) von Johannes Horak


Spurensuche nach den stärksten Böen


Auf den Bergen wurden also die erwarteten Böen erreicht, im Tal muss man aber ob der offiziellen Werte (Maximum 86 km/h am Flughafen) auf Ursachen- und Datenrecherche gehen.
Die ZAMG hat durch ein Projekt mit Stadt und Land noch weitere Stationen im Olympischen Dorf (116 km/h) und am Bahnhof (84 km/h). Die Daten von der Austrocontrol, die mir dankenswerterweise ebenfalls zur Verfügung gestellt worden sind, runden das Bild ab.


Die stärksten Böen gab es somit wie so oft im östlichen Bereich von Innsbruck, das abgedeckte Dach in Pradl bestätigt das auch. Die Föhnströmung, die über das Wipptal ins Inntal durchbricht hat die Eigenschaft, dass sie (bei entsprechender Stärke) über die Mittelgebirgskante bei etwa 800 bis 900 m hinausschießt und von der Nordkette her kommend und abgeschwächt als Nord- oder Nordostwind (Rotor) wieder auf die Stadt trifft. In der Stadt selbst und am Flughafen wurden somit nur rund 80 bis 90 km/h gemessen.
Die Strömung wird aber geteilt und der "rechte" Ast bringt dem Osten Innsbrucks die stärkeren Böen, die auch bis Hall und Absam zumindest spürbar sind (Windstation gibt es dort leider keine, aber meistens Schadensfälle).
Erwähnenswert sind in jedem Fall auch die schweren und teils orkanartigen Sturmböen am östlichen Mittelgebirge (Igls, Sistrans), die dieses Mal aber kaum Schaden angerichtet haben.










Weitere Analysekarten





Föhnanalyse mittels Potentieller Temperatur (als Maß für die Durchmischung). Der Föhn war am Samstag schon in den frühen Morgenstunden spürbar da, die Windgeschwindigkeit schnellte auch gleich in die Höhe (knapp 20 m/s um ca. 5:00 MEZ). Im Laufe des Nachmittags entwickelte sich der angesprochene Rotor (Nordostwind) mit den schwächeren Böen (10 bis 15 m/s). Danach hob der Föhn ab und mit dem einsetzenden Niederschlag kühlte es ab (Quelle: ertel2.uibk.ac.at)






Der Radiosondenaufstieg von Samstagfrüh zeigte eine flache Inversion (Kaltluftsee), die bis 700 m reichte und rasch ausgeräumt wurde. Darüber zeigt der Sondenaufstieg (zumindest der Textfile unten) bis in eine Höhe von 820 m Nordostwind (40 Grad bei DRCT deg). Tagsüber durchmischte der Föhn maximal bis in eine Höhe von ca. 725 hPa (2.660 m). Das Temperaturmaximum in Innsbruck lag an diesem Tag zwischen 15 und 16 Grad. Erwähnenswert ist hier auch der sehr starke Südwestwind von 47 kn (87 km/h) Mittelwind auf 3.840 m (Quelle: University of Wyoming)




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Mit einem Schneeloch kann man mehrere Dinge meinen.

*) Ort mit sehr viel Schnee. Sprich Alpennordseite bei Nordstau oder Arlberg bei Weststau bzw. Karawanken bei Südstau.

*) Ort mit wenig Schnee, also dort wo der Schnee in ein Loch fällt (sprich Leeeffekt) oder wo man sich ein Loch gegraben hat.

So ein zweites Loch ist beispielsweise Innsbruck - bei manchen Wetterlagen.

Aktueller Stand (Morgen des 12.12.2012) des GESAMTSCHNEEs (Quelle:ubimet)
St. Anton: 92 cm
Hochfilzen: 88 cm
Seefeld: 67 cm
Kufstein: 57 cm
Reutte: 55 cm
Kitzbühel: 45 cm
Landeck: 36 cm
Innsbruck: 16 cm 

Grund: aus dem Nordstau der letzten Tage ist in der Hauptstadt deutlich weniger Schnee gefallen, er wurde durch die Nordkette quasi abgefangen.



WEBCAMS vom Morgen des 12.12.2012










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Der Wind schläft ein, es klart auf. Die Tiefstwerte gehen somit auf -17 bis -7 Grad zurück, in höher gelegenen Alpentälern und Mulden erwarten wir Temperaturen unter - 20 Grad.

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