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Winterbilanz: Mau mit einzelnen Highlights

 

Das schneebedeckte Innsbruck von Arzl aus gesehen.

Der April ist weit fortgeschritten. Die ersten Sommertage und die erste Gewitter gaben bereits einen Vorgeschmack auf die warme Saison. Wahrscheinlich haben wir in Innsbruck auch den letzten Schneefall gesehen. Zeit für eine Abschlussbetrachtung des Winters.


Der Blogschreiber steht vor einem Dilemma. Wann soll man eine vernünftige Winterbilanz ziehen, wenn man in der Alpenmetropole lebt? Theoretisch ist erst im Mai Schluß mit Schnee, Frost und Kälte. Warum so lange warten? Also warum nicht jetzt, eine Woche nach dem ersten Sommertag des Jahres?

Der Winter, wenn man so will, startete relativ früh. Bereits Ende November fiel reichlich Schnee. Mehr als 10 Zentimeter wurden es in Innsbruck aber nie. Anfang Dezember war man aber im Winterfeeling. In Landeck wurden 45 Zentimeter Schnee gemessen. Man wähnte sich wie in einem Wintertraum. Selbst in Wien und Graz gab es Rekordschneefälle für dieses Jahrzehnt. Doch das Weihnachtstauwetter zerstörte die Hoffnung auf ein weißes Fest. Einzig in Klagenfurt konnte man sich über das erste weiße Weihnachten seit 2011 freuen.

Im neuen Jahr ging es mit Schneearmut weiter. Recht mild starteten wir aus dem Jahr 2021 heraus. Die Loipen, Rodelbahnen und Pisten wehrten sich anfangs noch erfolgreich gegen die Wärme. Aber Mitte bis Ende Jänner war dann fast nicht mehr an Wintersport in Lagen um 1000 Meter zu denken. 

Erst zum Monatswechsel und somit kurz vor den Semesterferien kam der ersehnte Schnee. Wobei man hier für die Alpennordseite und die Zentralalpen sprechen muss. Der Süden ging leer aus. Dafür fiel im Nordstau mehrmals ein halber bis ein Meter Schnee.

Der Februar präsentierte sich überdurchschnittlich nass und durchaus schneereich. Selbst wenn im Inntal kaum mehr als 10 Zenitmeter Schnee lagen. Auf den Bergen war die Schneelage mehr als okay. Bis zu drei Meter Schnee lag auf der Seegrube, weit über zwei Meter Schnee fielen innerhalb von nur drei Tagen.

Grafik mit der Darstellung der Schneehöhe für jeden Tag im Winter 2021/2022 für die Station Innsbruck Nordkette
Stationsverlauf Nordkette, Schneehöhe (HS) und Neuschneehöhen (HN) für den Winter 2021/22 (pinke Linie). Dargestellt ist auch der Mittelwert 1973-2021 (graue Linie) und die Extremwerte (graue Fläche). Quelle. lawinen.report

Eine Besonderheit stellte unser südlicher Nachbar dar: Im Großteil Kärntens gab es diesen Winter fast durchgehend eine Schneedecke. Der Schnee hat im Kärtner Kaltluftsee sämtliche Warmwetterphasen gut überdauert. Äußerst eindrucksvoll, denn in der benachbarten Steiermark sowie in Südtirol lag so gut wie kein Schnee.

Mit dem März startete der meteorologische Frühling und eine lang andauernde Hochdruckphase. Mit viel Sonnenschein und Saharastaub, aber ohne Niederschlag. Winterfans, die hier auf einen winterreichen Frühlings gehofft hatten, wurde enttäuscht.

Am Ende entpuppte sich der März 2022 als trockenster März der Messgeschichte im Westen Österreichs. An den Stationen mit den längsten Messreihen gab es durchwegs neue Trockenheitsrekorde. In Feldkirch (12 mm), Innsbruck (5 mm) und Zell am See (3 mm) war es in einem März noch nie so trocken.

Der April brachte in Sachen Niederschlag die Wende, es schneite sogar noch ein paar Mal. Die Schneebilanz wurde durch die durchziehenden Fronten aber nur etwas verschönert, die Trockenheit höchstens gelindert. Aktuell Mitte April kann man durchaus davon sprechen, dass an etlichen Stationen unterdurchschnittlich wenig Schnee liegt. Auch auf den Bergen liegt aktuell etwa 50 % weniger Schnee als im Schnitt.

Wozu Schnee?

Die Winterschneedecke ist für Gletscher zwar nicht essenziell, denn die meisten Gletscher reagieren eher auf einen warmen Sommer. Aber eine ausgeprägte Winterschneedecke hilft, einen warmen Frühling zu überdauern und mit einer möglichst hellen Oberfläche in den warmen Sommer zu gehen. Der Schnee gilt zudem als Trinkwasserreservoir, Schutz vor Hochwasser (durch die verzögerte Schneeschmelze) und bietet neben Schutz für die Tierwelt auch Isolation für viele Pflanzen.

Wir leben in einer Klimakrise, es wird in tiefen Lagen immer weniger Schnee fallen. Ob es stattdessen mehr regnet oder es gänzlich zu mehr Hochdrucklagen ohne Niederschlag kommt, lässt sich noch nicht eindeutig sagen. Die Entwicklung des Niederschlags im Winterhalbjahr folgt keinem Trend, sie ist stark von den großräumigen Strömung und somit den Wetterlagen abhängig. Tendenziell sind Winterhalbjahre seit den 1970er Jahren etwas nasser, aber nach wie vor wechseln sich trockene und feuchte Jahre ab.

Winterniederschlag in Innsbruck (Oktober bis März) von 1858-2022. Daten: ZAMG


Innsbrucker Schnee im Klimawandel

Die letzten Winter waren in Innsbruck eher schneearm, wie die Grafik hier zeigt. Im Mittel der letzten 20 Jahre lag am Flughafen an 55 Tagen Schnee (1 cm). Diesen Wert haben wir in den letzten zehn Jahren aber nur zwei mal erreicht. Bei der Berechung gehe ich sogar großzügig vor, denn es zählen alle Monate zwischen Oktober und Apri. Bei reiner Betrachtung des Winters (Dezember, Jänner, Februar) lag sogar nur halb so häufig Schnee wie im Schnitt. 

Mittelwert (1999-2021): 46 Tage
Winter 2021/22: 23 Tage.

In diesem Winterhalbjahr waren es 27 Tage mit Schneedecke, also nahe dran am Negativrekord (21 Tage im Winter 2015/16). Die längste durchgehende Schneedecke im vergangenen halben Jahr lag Anfang Dezember.

Quelle der Daten ist die Klimabilanz der ZAMG, Station Flughafen. Die Schneedaten, die auf Synop-Beobachtungen beruhen, sind inzwischen leider unbrauchbar geworden. Die automatischen Messungen, die die Beobachtermessungen ersetzt haben, sind stets zu hinterfragen und oft mangelhaft.

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