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Gedanken zum Tornadoverdacht in Ellmau

Dieser Blog kommt am Thema Tornadoverdacht in Ellmau nicht vorbei. Erstens treten solche Wettererscheinungen selten auf, zweitens wissen die Wenigsten etwas darüber (und wenn dann nur die Megatornado-Stories aus den USA-Blockbustermovie-gedei-und-verderb-Streifen) und drittens .

Allerdings werden genau diese Erinnerungen wach, wenn man diese Schreckensbilder und auch -geschichten hört.

Feuerwehr- und Gemeindehaus in Ellmau am Samstagabend (Quelle: ZOOM-Tirol)

Das Dach hat es komplett weggerissen (Quelle: ZOOM-Tirol)

Bäume haben in Reith bei Kitzbühel eine 110 kV-Leitung beschädigt (Quelle: TIWAG Netz AG, orf.at)
Verwüstete Baumreihe in Wörgl (Quelle: Stefan Pedevilla, orf.at)


Und diese Fotos sind in diesem Fall (fast) die einzigen Anhaltspunkte. Die Wetterdaten geben für den Samstagabend nicht viel her. Im Umkreis haben die Wetterstationen bis zu 60 km/h registriert, es hätte schon mit viel Glück (oder eben Pech) hergehen müssen, dass diese Gewitterzelle genau die Station trifft ... Das Messnetz ist zwar recht dicht, aber trotzdem weist es Lücken auf.

Böen am Samstagabend (Quelle: UBIMET, Daten: ZAMG / UBIMET)

Radarbilder vom 25.8. 17:40
bis 18:30 MESZ, das X
markiert Ellmau (Quellen:
austrocontrol / UBIMET)

Fazit:
Bei einem Tornado muss eine Rotation vorhanden sein und ein Bodenkontakt (der allseits bekannte Rüssel). In Verbindung mit diesem Gewitter *kann* es sich um einen Tornado gehandelt haben, aber auch ohne Tornado können orkanartige Sturmböen auftreten. (z.B. am Innsbrucker Flughafen am 22.8.2012 mit 112 km/h). Keine Wetterstation hat im Umkreis solch hohe Böen gemessen, es gibt auch keine Bilder, Fotos, Videos, die einen Tornado beweisen und somit kann man nur anhand der Schäden analysieren was passiert ist. Es bleibt beim Tornadoverdacht.







Medienberichte:

*) http://tirol.orf.at/news/stories/2547251/
*) http://www.tt.com/Nachrichten/5313904-2/sturm-hagel-stromausf%C3%A4lle-spur-der-verw%C3%BCstung-im-unterland.csp


Tornadoforschung - Tornados in Österreich
Ich darf hierbei einen Kollegen zitieren, der auf eine Medienanfrage im April diesen Jahres folgende Antwort gegeben hat:
Während starke Tornados immer an Schwergewitter gebunden sind, können schwache Tornados auch bei kräftigen Schauern vorkommen. Pro Jahr gehen die Forscher von 6 bis 8 Tornados in Österreich aus, wobei alle ein bis zwei Jahre ein starker, alle fünf bis zehn Jahre ein schwerer Tornado vorkommt. Der mit Abstand verheerendste Tornado in Österreich ereignete sich im Juli 1916 in Wiener Neustadt, als 32 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden. Am häufigsten werden sie im Flach- und Hügelland beobachtet, etwa in der Bodenseeregion, im westlichen Oberösterreich, im Wiener Becken sowie im Tullner Feld. Mit Abstand am meisten Tornados treten vom Grazer Becken bis zur Thermenregion auf. Auch in einzelnen Alpentälern wurden schon Tornados registriert, beispielsweise in Innsbruck am 1. Februar 2005 (F. Welzenbach UBIMET, April 2012).

Weiterführende Links:
*) www.tordach.org
*) www.unwetterstatistik.at
 *)www.skywarn.at 

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Das Schneeloch

Mit einem Schneeloch kann man mehrere Dinge meinen.

*) Ort mit sehr viel Schnee. Sprich Alpennordseite bei Nordstau oder Arlberg bei Weststau bzw. Karawanken bei Südstau.

*) Ort mit wenig Schnee, also dort wo der Schnee in ein Loch fällt (sprich Leeeffekt) oder wo man sich ein Loch gegraben hat.

So ein zweites Loch ist beispielsweise Innsbruck - bei manchen Wetterlagen.

Aktueller Stand (Morgen des 12.12.2012) des GESAMTSCHNEEs (Quelle:ubimet)
St. Anton: 92 cm
Hochfilzen: 88 cm
Seefeld: 67 cm
Kufstein: 57 cm
Reutte: 55 cm
Kitzbühel: 45 cm
Landeck: 36 cm
Innsbruck: 16 cm 

Grund: aus dem Nordstau der letzten Tage ist in der Hauptstadt deutlich weniger Schnee gefallen, er wurde durch die Nordkette quasi abgefangen.



WEBCAMS vom Morgen des 12.12.2012










HEUTE KALTE NACHT !
Der Wind schläft ein, es klart auf. Die Tiefstwerte gehen somit auf -17 bis -7 Grad zurück, in höher gelegenen Alpentälern und Mulden erwarten wir Temperaturen unter - 20 Grad.

DEZEMBERREKORDE

Österreich
-33,0 Hall / Admont (…

Unwetterlage Alpennordrand

Ein Tief macht wieder Troubles. Tirol hat schon einmal Bekanntschaft damit gemacht und zwar als es uns am Montag, 31.05., überquert hat. Nur war es da den wenigsten bewusst.
Es hat sich inzwischen verstärkt und schön eingewickelt, wie am Satellitenbild (Abb. 1) gut zu sehen ist. Der Tiefdruckkern liegt derzeit etwa über Ungarn und sorgt von Ostösterreich über Tschechien und Polen für anhaltend kräftigen Niederschlag. Innerhalb von 24 Stunden regnete es so in Krakau 44 mm, an der Hohen Warte 41 mm in Ostrava und Brünn 37 mm oder in Kosice 35 mm.

Abb. 1: Satellitenbild von sat24.com -- Quelle: Eumetsat + DWD
Das Radarbild rechts (entnommen von flug-wetter.at (c) austrocontrol.at) zeigt das derzeitige Niederschlagsbild (Abbildung 2).

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Tragisches Lawinenunglück

Heute Mittag hat sich ein tödliches Lawinenunglück am Sattelberg ereignet. Regelmäßige Leser dieses BLOGs kennen diesen Berg als Messstation des IMGI und daher als oft zitierte Datenquelle. Für viele Sportbegeisterte ist er aber vor allem der erste Tourenberg der Saison: leicht erreichbar, meist schneesicher und einfach zu begehen. Es ist eigentlich undenkbar, dass dort eine Lawine abgeht.

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