Direkt zum Hauptbereich

Frühling im Winterschlaf


 

Tulpen im Schnee, Innsbruck am 14.4. 2023

Wir schreiben Mitte April und viele fragen sich: Wo bleibt der Frühling? Tage mit 20 Grad hatten wir schon länger nicht mehr. Ist das Wetter kaputt?

Zum Frühling gehört ja viel dazu. Das Erwachen der Natur, die längerer werdenden Tage sowie auch regelmäßiger Regen und auch Wärme. Von alledem hatten wir diesen April bislang nur wenig. Wir, das sind die Bewohner der Alpenländer, meist aber auch rundherum.

Wenig Sonne und Wärme

Während im März bereits fünf Mal die 20-Grad-Marke überschritten wurde, gab es im bisherigen April noch keinen 20er. Von einem Sommertag (Höchstwert über 25 Grad) waren wir bisher weit entfernt. Am nächsten dran waren wir am 13. März mit 24,1 Grad in Braunau. 

Die nächste Chance bietet sich kommenden Samstag (22. April). Das dürfte auch die letzte Chance in diesem April sein, denn danach wird es wieder kühler. Es könnte somit erstmals seit dem Jahr 2008 ein April ohne Sommertag werden.

Sonnenstunden in Innsbruck (Quelle: GSA)

Neben der Wärme fehlt auch die Sonne. Jetzt Mitte April wären täglich über 12 Stunden Sonnenschein möglich - auch im Inntal. Nur zwei mal bisher (am 4. April sowie am Ostermontag) haben wir mehr als 10 Stunden Sonne genießen können. Wir sind auf dem Weg zum trübsten April seit 20 Jahren.

Seltene Wetterlage

Die Ursache für das eher kühle Aprilwetter ist in der aktuellen Wetterlage zu finden. Hoher Luftdruck über Skandinavien bedeutet Ost bis Nordostströmung bei uns. Das kommt akuell keine Wärme an. Diese untypische Wetterlage geht in ein paar Tagen zwar zu Ende, aber so richtig warm wird es vorerst nicht.

Großwetterlage am 19. April in Europa (Quelle: wxcharts)

Nutznießer in großer Höhe

Durch die kühle Witterung und den häufigen Schneefall hat sich vor allem im Hochgebirge sehr viel Schnee angesammelt. Vom Arlberg bis zu den Karawanken liegt aktuell so viel Schnee wie im gesamten Winter nicht. Je länger sich der Winterschnee halten kann, desto besser für die Gletscher. Letzten Sommer aperten die Gletscher bereits im Juli aus - so früh wie nie zuvor in der Messgeschichte.

Schneehöhen am 19.April 2023 (Quelle: lawis, GSA)

Rettenbachferner 315 cm
Sonnblick 293 cm
Ulmerhütte 251 cm
Rudolfshütte 226 cm
Pitztaler Gletscher 238 cm
Galzig 206 cm

 

Stationsverlauf Schneehöhe am Pitztaler Gletscher (Quelle: HD Tirol)

Beliebte Posts aus diesem Blog

Jahresrückblick 2021

  Ein sonniger Herbst entschädigte für einen eher unbeständigen Sommer. Viele geplante Wanderungen konnte man also im September oder gar im Oktober noch nachholen, wie hier im Navistal, Ende September. Das Wetterjahr 2021 geht zu Ende und damit wieder ein Jahr der Extreme. Wieder einmal lagen Schnee- und Wärmerekorde nah beieinander. Trotz Rekordschnee, markanten Spätfrösten, früher Sommerwärme, intensiver Junihitze, sommerlicher Starkregenereignissen und frühem Winterschnee bleibt uns ein wiederkehrendes Element in allen Jahren erhalten. Es war wieder eines der wärmsten Jahre der 255-jährigen Messgeschichte in Österreich.

Schneerekord in Österreich - oder nicht?

  Die Nordalpen versinken in Schnee. Innerhalb von nur 2 Tagen sind lokal über 150 cm Schnee gefallen. Aber ist das nun Rekord?

Jahresrückblick 2019

Schnee, Schnee und noch mehr Schnee gab es im Jänner 2019. Im Bild der Poschenhof am Dreikönigstag oberhalb von Rum auf 900 m In dem Rückblick der ZAMG vor ein paar Tagen konnte man es schon lesen und die letzten Tage des Jahres werden kaum etwas daran geändert haben: Das Jahr 2019 liegt wieder im Spitzenfeld der warmen Jahre, am Ende wird es das drittwärmste Jahr der Messgeschichte sein, örtlich sogar das wärmste seit 1768. Das wärmste Jahr war 2018 (Abweichung +1,8 vom Mittel 1981-2010), gefolgt von 2014 (+1,7) und 2019 ( +1,6 Grad). Danach folgen 2015 (+1,4) und 1994 (+1,2). Von insgesamt 12 Monaten im Jahr 2019 waren 11 wärmer als das Mittel, nur der Mai 2019 war kälter. Der Trend der sehr warmen Jahre setzt sich also unvermindert fort (siehe Grafik unten), besser bekannt als Klimaerwärmung. Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom Mittel 1901-2000. Rot markiert sind zu warme Jahre, blau entsprechend zu kalte Jahre. Die schwarze Linie ist die Trendlinie. In der gesamten M...