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Wahres und Wichtiges zu den Eisheiligen


Väterchen Frost drückt dem Wetter in den Übergangsmonat gerne noch einmal seinen Stempel auf. Berühmt berüchtigt sind die Eisheiligen im Mai (Foto: alpen.wetter) 

Die Geschichte der Eisheiligen ist bekannt: Einfach formuliert besagen die Eisheiligen, dass bis Mitte Mai keine sensiblen Pflanzen ins Freie gesetzt werden sollten, da noch Frost droht.

Die Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.
Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai.
Pflanze nie - vor der Kalten Sophie.

In jeder Bauernregel steckt ein Körnchen Wahrheit und so auch in dieser. Ihren Ursprung hat diese Regel, wie so viele andere auch, in Beobachtungen aus dem Mittelalter. Damals war man mehr als heute auf die Ernte der örtlichen Bauern angewiesen und später Frost konnte die Ernte zerstören und somit für existentielle Probleme einer ganzen Region sorgen. Durch Beobachtungen fand man heraus, dass es gerade Mitte bis Ende Mai des Öfteren zu einem massiven Temperaturrückgang und Frost kommt. Nach der Kalenderreform 1582, bei der einfach 10 Tage aus dem Kalender entfernt wurden, fielen die Eisheiligen nun auf die heute gültigen 11. Mai (Mamertus, hauptsächlich Norddeutschland),  12. (Pankratius), 13. (Servatius), 14. (Bonifatius) und 15. Mai (Sophie).

Das ewige Hin und Her im Frühling

Die Beobachtungen kommen nicht von ungefähr, sieht man sich folgende Daten zum letzten Frost und dem ersten Tropentag für die Station Innsbruck-Universität an (Quelle: Stadt Innsbruck):

Letzter Frosttag (Luftfrost gemessen in 2 Meter Höhe)
Frühester Termin 16.02.1989
Spätester Termin 12.05.1909

Erster Tropentag (Tmax>30 Grad)
Frühester Termin  28.04.2012
SpätesterTermin 15.08.1989

Wie man sieht, treten zwischen Ende April und Mitte Mai sowohl noch Anzeichen des Winters (Frost) als auch des Sommers (30 Grad und mehr) auf. Die Extreme liegen also ganz nahe beinander und das war schon immer so. Durch den Klimawandel sind jedoch Sommer- und Tropentage früher anzutreffen, während es Frost oft noch weiterhin bis Anfang/Mitte Mai gibt. Auch in tiefen Lagen.


Kampf um die Vorherrschaft

Einerseits ist zu dieser Jahreszeit die Kraft der Sonne schon so stark um die Subtropen und die Mittelmeerregion stark zu erhitzen, andererseits lagert im Norden noch sehr kalte Luft. Durch Drehen der Strömung auf Süd kann es somit einerseits kurzzeitig sehr heiß werden (auch mit Föhneffekten), andererseits sind gefürchtete Kaltlufteinbrüche aus dem Norden auch noch möglich.

Das konnte man auch in diesem Mai 2021 sehr gut beobachten. Auf eine sehr kalte und teilweise frostige Nacht am 8. Mai folgte nur zwei Tage später die erste Tropennacht (Rohrspitz und Bregenz, 10. Mai). Als Krönung folgten dann noch der erste 30er in Österreich (Stadt Salzburg, Salzkammergut), auch am 10. Mai.

Überprüfung der Eisheiligen

Eine Auswertung der Tagesmitteltemperatur für vier Landeshauptstädte durch die ZAMG liefert hierzu bemerkenswerte Ergebnisse. Trotz des Klimawandels (Anstieg der Jahresmitteltemperatur in den Alpen seit 1880 um knapp 2 Grad) gibt es diesen eindeutigen "Knick" im Bereich des 20. bis zum 23. Mai, der sich in allen vier Orten widerspiegelt. Innsbruck ist mit der Abkühlung oft schon einen Tag früher dran (19.), dafür geht die Kurve einen Tag früher schon wieder nach oben (22.). Das ist durch die Westwetterlage zu erklären, da sich das Hoch, dass einer Kaltfront nachfolgt, im Westen einen Tag früher wirksam wird.
Die Grafik beweist auch, dass die Beobachtungen unserer Vorfahren im Mittelalter schon sehr gut waren, sie haben auch die Kalenderumstellung überlebt (die Beobachtungen, nicht die Vorfahren).

Man darf die "Eisheiligen" nur nicht zu genau nehmen und sie mit Frost und Eis verbinden. Kälterückfälle im Mai gibt es nämlich beinahe jedes Jahr.

Auswertung der Tagesmitteltemperatur für Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt, 50-jährige Reihe bis 2013 (Quelle: ZAMG 2014)


Frost ist nicht gleich Frost

Der Temperaturrückgang ist somit erwiesen, wie sieht es mit dem Frost aus? Die ZAMG und wetterblog.at haben sich im Frühjahr 2014 den Luft- und den Bodenfrost der letzten Jahrzehnte angesehen:


Zahl der Tage mit Bodenfrost (1994 - 2013)Zahl der Tage mit Luftfrost (1971-2000)
Wien Hohe Warte0,40,0
Eisenstadt0,30,0
St. Pölten1,00,1
Linz Stadt0,00,1
Salzburg - Flg.0,20,1
Innsbruck - Flg.1,40,2
Bregenz0,20,1
Graz Uni0,10,2
Klagenfurt0,70,4

Und tatsächlich tritt Bodenfrost (gemessen in 5 Zentimeter Höhe) häufiger auf als Luftfrost (gemessen in 2 Meter Höhe). Warum? Der Boden kühlt in der Nacht stärker aus als die Luft und bei wenig Wind kommt es zur Ausbildung einer Inversion. Bodennah sammelt sich die kalte Luft, selbst in 2 Metern Höhe kann es einige Grad wärmer sein.

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