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Der zweitwärmste Juni seit Messbeginn

Anomalien der Mitteltemperatur für ganz Österreich von Beginn der Messungen bis heute. Die wärmsten Juni-Monate waren 2003, 2017 und 1811, jedoch fällt auf, dass es in den letzten 30 Jahren immer seltener zu kalte Monate gegeben hat und drei der fünf wärmsten Juni-Monate allein in den letzten 15 Jahren aufgetreten sind (Quelle: ZAMG)
Es hatte sich bereits Mitte des Monats Juni abgezeichnet. Allein schon durch den sehr warmen Beginn und die damaligen Prognosen war einer der wärmste Juni-Monate aller Zeiten zu erwarten. Im wesentlichen war fast jeder der letzten 30 Tage wärmer als im Schnitt (siehe Klimaspiegel unten) und mit der ersten Hitzewelle des Jahres gab es in Innsbruck fast einen neuen Temperaturrekord. Mit einem Maximum von 35,6 Grad am 22. Juni wurde der Rekord (36,3 Grad) nur knapp verfehlt.
Einen weiteren bemerkenswerten Wert hat die ZAMG heute veröffentlicht. In Innsbruck wurde an 12 Tagen eine Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad (Tropentag, Hitzetag) erreicht und damit fast gleich viel wie im Rekordjahr 2003 (damals waren es 13). Es gab damit insgesamt drei mal mehr Tropentage als im langjährigen Schnitt (1981-2010: 4,0 Tage).
#update am 30.6.2017

Klimaspiegel der ZAMG. Er zeigt die Mittelwerte der Temperatur (Mittel aus Maxium und Minimum) und die aufsummierte Tagesniederschlagssumme. Kurz und knapp: es war deutlich zu warm (hier +4,2 Grad) und zu trocken (51 %). Quelle: ZAMG
Am Ende landet der Juni 2017 mit einem Mittel von 20,7 Grad und einer Abweichung von +3,5 Grad in Innsbruck auf dem zweiten Platz. Der Hitzejuni im Jahr 2003 bleibt unerreicht, damals gab es sogar 21,6 Grad (Abweichung: +4,4 Grad).
#update am 30.6.2017
 

Interaktive Grafik: Mitteltemperaturen Innsbruck-Universität 1971-2017. 
Datenquelle: Stadt Innsbruck, Universität Innsbruck, wetterblog.at;
Bearbeitet von alpen.wetter, Stand: 28.06.2017



Ausblick (etwas detaillierter mit Profiwetterkarten)

Wie gestalten sich nun die letzten Tage des Juni bzw. die ersten Juli-Tage? Die Wetterlage hat sich bereits umgestellt. Statt eines dominanten Hochs hat sich vermehrt Tiefdruckeinfluss durchgesetzt, zu sehen auch im 4er-Panel unten. Zu sehen sind die Strömungslage in großer Höhe (links oben) und dazu die Temperaturen (oben rechts). Wind und Niederschlag für 29.6. 02 MESZ sind in der unteren Reihe zu sehen. Diese kalte Luft aus dem Nordatlantik wird sich in den kommenden Tagen durchsetzen, wir in Innsbruck bleiben bei Maxima von nicht einmal 20 Grad und einigen Schauern picken.


Panelansicht für Donnerstag, 29.6.2017 00 UTC. Markiert ist Innsbruck. Quelle ertel.uibk.ac.at

Zeit zum Durchlüften, aber nicht zum Durchschnaufen. Teils heftige Gewitter und gebietsweise kräftiger Regen sind im Alpenraum zu erwarten.
Die "sehr bunte" Gesamtniederschlagsansicht für Mitteleuropa für die nächste 96 Stunden (bis Sonntagmittag) zeigt nur ansatzweise die Hotspots. Regnen wird es bis auf wenige Ausnahmen (ausgerechnet das trockene Wald- und Weinviertel) recht kräftig, insbesondere in Richtung Schweizer und Österreichischem Alpenhauptkamm bzw. in den Nordstaulagen.

Drohende Gefahren: in den kommenden zwei Tagen kann es vor allem in den Regionen, in denen es zuletzt schon kräftig geregnet hat (Stubaital letztes Wochenende) wieder zur Vermurungen und Hangrutschungen kommen.

Vorhersage für die nächste 4 Tage. Berechnet vom GFS für Mitteleuropa. Quelle: wetterzentrale.de

Das "Janek-WRF" zeigt in seiner höher aufgelösten Form schon mehr Details. Die nassesten Regionen im Alpenraum liegen logischerweise auch hier in den nächsten 72 (!) Stunden im Bereich Alpenhauptkamm/Nordstaulagen (50-60 mm), aber auch in den Südalpen (mehr als 100 mm). Man bedenke: es sind konvektive Niederschläge, d.h. es kann teilweise deutlich mehr regnen als im Modell berechnet, andererseits im nächsten Tal nicht einmal ansatzweise so viel - Quelle: modellzentrale.de


Mit Beginn der neuen Woche (3. Juli) setzt sich aber wieder zunehmend sonniges Hochdruckwetter durch, vorerst aber bei Temperaturen unter 30 Grad. Hier sind sich die Modelläufe des GFS (untere Grafik) recht einig (Linien liegen bis 3. Juli nahe beinander).
Die Siebenschläferregel, der Siebenschläfertag war ja am 27. Juni, bezieht sich grob auf die Großwetterlage Ende Juni/Anfang Juli (Lage des Jetstreams) und hat vor allem bei einer sich etablierenden oder bestehenden Hochdrucklage eine relativ hohe Trefferquote (Malberg, 1993: Bauernregeln: Aus meteorologischer Sicht) für den süddeutschen Raum/Alpenvorland von "fast 70 %".
Für heuer ist einer Sommerprognose aber nicht einmal ansatzweise abschätzbar, vielleicht in einer Woche?

GFS-Ensembles für den Gitterpunkt 48/12, gelegen in Bayern. Quelle: wetternzentrale.de


Kurze Verifikation des Niederschlagsereignisses vom 28.-30. Juni

Tirolweit am kräftigsten hat es in den Tuxer und vor allem in den Zillertalpen Alpen geschüttet. Teilweise auch im Karwendel und in den Kitzbühler Alpen. Die größten Niederschlagsmengen (tirolweit) gab es rund um den Gerlospass und an der Krimml (Quelle: hydro Tirol):


 
24-Stunden-Niederschlagsanalyse 29.6. 15:00 bis 30.6. 15:00. Nicht der ideale Zeitraum des Hauptniederschlags, aber von der Struktur her ist die räumliche Verteilung ähnlich wie bei der gesamten Dauer des Ereignisses (Quelle: hydro Tirol)

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Mit einem Schneeloch kann man mehrere Dinge meinen.

*) Ort mit sehr viel Schnee. Sprich Alpennordseite bei Nordstau oder Arlberg bei Weststau bzw. Karawanken bei Südstau.

*) Ort mit wenig Schnee, also dort wo der Schnee in ein Loch fällt (sprich Leeeffekt) oder wo man sich ein Loch gegraben hat.

So ein zweites Loch ist beispielsweise Innsbruck - bei manchen Wetterlagen.

Aktueller Stand (Morgen des 12.12.2012) des GESAMTSCHNEEs (Quelle:ubimet)
St. Anton: 92 cm
Hochfilzen: 88 cm
Seefeld: 67 cm
Kufstein: 57 cm
Reutte: 55 cm
Kitzbühel: 45 cm
Landeck: 36 cm
Innsbruck: 16 cm 

Grund: aus dem Nordstau der letzten Tage ist in der Hauptstadt deutlich weniger Schnee gefallen, er wurde durch die Nordkette quasi abgefangen.



WEBCAMS vom Morgen des 12.12.2012










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