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Heftiges Unwetter - kurze Nachlese

Eine eingehende meteorologische Analyse hat bereits Felix geliefert, der akribisch alle wichtigen Details zusammengefasst und untersucht hat. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen außer eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse sowie ein paar zusätzlicher Gedanken (Fotos folgen):

Synoptische Ausgangslage:
Anhaltende Südwestanströmung, feuchtwarme Luft wird in den Alpenraum geführt. Einer Kaltfront (und in weiterer Folge einer Trogachse) läuft eine Konvergenzlinie voraus, an dieser sich der Reihe nach Gewitterzellen aufbauen.

Zelle in Innsbruck:
Aus Südwesten kommend zieht am Samstag (17.07.2010) um ca 14 Uhr eine Zelle genau über Innsbruck und wird durch die Windscherung noch zunehmend verstärkt. In Zahlen:
*) Starkregen: Regenraten von bis zu 100 mm/h (siehe P.S.) - ingesamt schüttetet es 40 Minuten lang insgesamt 36 l/m²
*) stürmische Windböen (63 km/h an der Uni, 58 km/h am Flughafen) und
*) Hagel (bis zu 3 cm in Innsbruck - in Richtung MARTHA-Dörfer bis zu 5 cm).

Die Folgen:
Teile der Innenstadt standen unter Wasser (bis zu einem halben Meter), 390 Feuerwehrleute waren im Großeinsatz (siehe hier), Keller wurden überflutet (u.a. des Landesmuseums und des neuen Kaufhauses Tyrol) und zahlreiche Schäden durch Hagelschlag sind entstanden.

Weitreichende Folgen bzw. hätte das Unwetter vorherseh(=sag)bar?
Ein Ereignis dieser Art war in dieser Heftigkeit (Überflutungen ...) nicht vorhersehbar. Die Zelle hat sich praktisch direkt über der Stadt entwickelt und entladen. Im allerbesten Fall hätte man 1 Minute davor warnen können (so aktuell sind aber die Radarbilder NIE). Die Warnlage war bekannt (siehe z.B. die eindrucksvollen CAPE - Werte in Felix' Analyse), natürlich war es nicht vorhersehbar WANN und WO die Gewitter genau auftreten würden. Dadurch, dass Hagel in Innsbruck äußerst selten auftritt (siehe PS), war natürlich ein zusätzlicher - nennen wirs Überraschungs- faktor gegeben.

P.S. ... die Statistik ...:

1.) Die Niederschlagsrate wird von Niederschlagsmesseräten in mm/h angegeben und ist ein Maß für die Intensität des Ereignisses, nicht deren Menge. Es handelt sich dabei um eine fiktive Zahl, denn nur wenn es eine Stunde lang mit derselben Intensität regnen würde, würde diese Menge erreicht werden. Zu keinem Zeitpunkt regnete es in Innsbruck also 100 mm. Radargeräte (wie jenes auf der Valluga) geben den Niederschlag (über einen komplexen Algorithmus berechnet) beispielsweise auch als mm/h an. Die Bilder werden alle 15 Minuten aktualisiert und werden aus der Radarrückstreuung berechnet (keine Bodenmessung).

2.) Windböen: bei einem mittelkräftigen Föhnereignis treten in Innsbruck Böen von etwa 35 kn auf (=65 km/h). In der Beaufort-Skala wäre diese Stärke 8 und wird als stürmischer Wind bezeichnet. Die beim Unwetter gemessene maximale Windstärke (63 km/h) ist somit für Innsbruck nichts ungewöhnliches, ca. 20 mal im Jahr (1 mal durchschnittlich im Juli) wird sie in sowohl an der Uni als auch am Flughafen gemessen (siehe ZAMG - Statistik).

3.) Hagel ... ist in Innsbruck schon eher ungewöhnlich. Laut Statistik ergeben sich im Mittel für den Juli 0,17 (Uni) und 0,43 (Flughafen) Tage mit Hagel. Also knapp alle 5 (!) Jahre gibt es im Juli Hagel in der Innsbrucker Innenstadt. Diese gefrorenen Hydrometeore müssen übrigens größer als 0,5 cm werden um per Definition als Hagel durchzugehen.

4.) Gewitter ... treten im Schnitt an 8 Julitagen auf, also praktisch alle 3 Tage - in diesem Jahr in jedem Fall zutreffend ...

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