Direkt zum Hauptbereich

Mittelfrist: 02. bis 05.01.2010

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die unsägliche Südwest - Wetterlage auch. Zumindest für vier Tage. Durch die derzeitige (und schon seit Wochen anhaltende) Strömungskonstellation gelangen permanent subtropische Luftmassen in den Alpenraum, die zwar feucht, aber zu warm sind, um Schneefall zu produzieren. Sie stellen also quasi Gift für Wintersportliebhaber dar.

Das GFS - Modell (Mi 06 UTC - Lauf) deutet am 02.01. eine kurzfristige Änderung an:
Das stabile Hoch über Grönland ändert seine Position nur wenig, doch der sehr breite Trog über Westeuropa, an deren Vorderseite schon seit Tagen eher unspektakuläres Wetter in den Nord- und Zentralpen passiert, schiebt sich weiter nach Osten. Ein Trog mit kalter arktischer Luft schiebt rasant von den britischen Inseln nach Süden und schwappt in den Morgenstundenals Kaltfront über den Alpenraum.

Eine Kaltfront aus Nordwesten ist jedoch nicht unweigerlich mit großen Niederschlagsmengen verbunden. Die niedrigen Theta_e Werte zeugen nämlich nicht nur von kalter sondern auch von sehr trockener Luft. Im Klartext: die Luft, die zu uns kommt, war zu kalt um Feuchte über dem Nordatlantik aufzunehmen und ist bei uns schließlich zu trocken um für ergiebigen Schneefall zu sorgen. In den Nordstaulagen Kleinwalsertal, Außerfern, Karwendel und weiter bis zum Salzkammergut sollten laut GFS - Berechnung aber doch einige mm Niederschlag fallen - durch die niedrigen Theta_e Werte von 12 - in Form von Schnee.

Eine Rückstellung auf die Südwestwetterlage erfolgt laut GFS jedoch schon am 04./05. 01. wenn sich eine Warmfront von Südwesten annähert. Die damit einhergehende Warm- und Feuchteadvektion sorgt südlich des Alpenhauptkamms (Südstau: Karnische Alpen,Dreiländereck) für Niederschlag (30 mm), bei einer SFG um 2500 m jedoch weiträumig als Regen. Der nördliche Teil Österreichs liegt leeseitig im niederschlagsarmen Gebiet (Dienstag). Der Druckgradient von 8 hPa (Tue 12 UTC, nach dem 00UTC ECMWF - Lauf von heute 30.12.2009) ist, bedingt durch die starke Südwestanströmung (Windgeschwindigkeiten bis zu 35/40 kn in 700 hPa, Tue 12 UTC), rein dynamisch.

Der zwischenzeitliche Schwenk auf Nordwest hat noch ein Gutes: das Bergisel - Springen am 03.01. in Innsbruck wird nicht wieder dem (Süd)Föhn zum Opfer fallen wie 2007, als das Springen abgesagt und in Bischofshofen nachgeholt werden musste. Nordföhn, der am Standort Bergisel viel weniger stark spürbar ist als übers Wipptal absinkende Südföhn, ist allerdings noch nicht auszuschließen.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Jahresrückblick 2021

  Ein sonniger Herbst entschädigte für einen eher unbeständigen Sommer. Viele geplante Wanderungen konnte man also im September oder gar im Oktober noch nachholen, wie hier im Navistal, Ende September. Das Wetterjahr 2021 geht zu Ende und damit wieder ein Jahr der Extreme. Wieder einmal lagen Schnee- und Wärmerekorde nah beieinander. Trotz Rekordschnee, markanten Spätfrösten, früher Sommerwärme, intensiver Junihitze, sommerlicher Starkregenereignissen und frühem Winterschnee bleibt uns ein wiederkehrendes Element in allen Jahren erhalten. Es war wieder eines der wärmsten Jahre der 255-jährigen Messgeschichte in Österreich.

Schneerekord in Österreich - oder nicht?

  Die Nordalpen versinken in Schnee. Innerhalb von nur 2 Tagen sind lokal über 150 cm Schnee gefallen. Aber ist das nun Rekord?

Jahresrückblick 2019

Schnee, Schnee und noch mehr Schnee gab es im Jänner 2019. Im Bild der Poschenhof am Dreikönigstag oberhalb von Rum auf 900 m In dem Rückblick der ZAMG vor ein paar Tagen konnte man es schon lesen und die letzten Tage des Jahres werden kaum etwas daran geändert haben: Das Jahr 2019 liegt wieder im Spitzenfeld der warmen Jahre, am Ende wird es das drittwärmste Jahr der Messgeschichte sein, örtlich sogar das wärmste seit 1768. Das wärmste Jahr war 2018 (Abweichung +1,8 vom Mittel 1981-2010), gefolgt von 2014 (+1,7) und 2019 ( +1,6 Grad). Danach folgen 2015 (+1,4) und 1994 (+1,2). Von insgesamt 12 Monaten im Jahr 2019 waren 11 wärmer als das Mittel, nur der Mai 2019 war kälter. Der Trend der sehr warmen Jahre setzt sich also unvermindert fort (siehe Grafik unten), besser bekannt als Klimaerwärmung. Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom Mittel 1901-2000. Rot markiert sind zu warme Jahre, blau entsprechend zu kalte Jahre. Die schwarze Linie ist die Trendlinie. In der gesamten M...