Direkt zum Hauptbereich

Ein durchschnittlicher Juli 2020


Reichlich Schönes konnte man diesen Juli am Himmel beobachten. Den Kometen Neowise zum Beispiel. Aber nur in den wenigen, wirklich wolkenfreien Nächten. Oder Gewitter. Davon gab es reichlich, vor allem am späten Nachmittag oder Abend. Oder aber auch die vielen Regenbögen. Die gab es auch nur, weil es nach den abendlichen Gewittern oft wieder aufgerissen hat.



Wie man sieht, war die natürlich Schönheit in vielen Facetten zu sehen. Klar, es hat oft (=an vielen Tagen) geregnet, meist durch Gewitter am Feierabend. Aber die Werte sprechen für sich. Es war trotz aller Schauer- und Gewittertätigkeiten in Nordtirol in diesem Juli verbreitet zu trocken, vor allem im Oberland, im Außerfern sowie im mittleren Inntal. Ausgeglichen war die Bilanz hingegen im Unterland und zu nass lediglich im südlichen Osttirol (siehe auch die Stationswerte von Lienz weiter unten). In Innsbruck gab es 12 Tage mit Regen (Niederschlag mehr als 1 mm), im langjährigen Durchschnitt sind es aber 14.

Niederschlag im Juli. Abweichung vom langjährigen Mittel (1981-2010). Quelle: ZAMG Spartacus

Stationswerte Niederschlag Juli 2020 Tirol (Quelle: ZAMG)


Ort  Juli 2020  Klimamittel 1981-2010 Abw. in %
Reutte  142 mm  188 mm  -24 %
Obergurgl  61 mm  98 mm  -38 %
Innsbruck-Universität  82 mm  132 mm  -38 %
Kufstein  164 mm  176 mm  - 7 %
Lienz  152 mm  119 mm  +28 %
Stand: 01.08.2020

Ein paar Worte zur Temperatur. Die so richtig heißen Tage am Stück gab es heuer (noch) nicht. Die Hitze steigerte sich an den Julitagen meist von Tag zu Tag und am dritten oder vierten Tag krachte es. Über alle Tage gemittelt war der Juli in Innsbruck +0,7 Grad zu warm, im Vergleich zum Mittel 1981-2010. Eine Hitzewelle, wie sie es in den letzten Jahren immer wieder gab, blieb bisher aus. Erst gegen Ende des Monats gab es einige Tage mit 30 Grad und darüber, so auch am heißsten Tag des Jahres bisher (36,6 Grad am 28.07.2020). Somit gehört dieser Juli 2020 zu den 20 wärmsten Julimonaten der letzten 250 Jahre.

Stationsverlauf Innsbruck Universität 01.07.-31.07.2020. Quelle: wetter.orf.at

Wie man in der unteren Grafik sieht, sind die Julimonate seit Mitte der 1980er deutlich wärmer geworden - im Vergleich zu den etwa 30 Jahren davor. Den wärmsten Juli erlebten wir hier in Innsbruck im Jahr 2015, der mit 22,6 Grad auch der bisher wärmste Monat aller Zeiten in Innsbruck war (Datenquelle: ZAMG histalp).


Bleibt noch der Sonnenschein. Die Summe aller Sonnenstunden lässt sich ebenfalls als "durchschnittlich" bezeichnen

Sonnenschein im Juli 2020 Tirol (Quelle: ZAMG)

Ort  Juli 2020  Klimamittel 1981-2010 Abw. in %
Reutte
Patscherkofel
216 h
228 h
---
224 h
n.a.
+2 %
Obergurgl  182 h  178 h  +2 %
Innsbruck-Universität  236 h  228 h  +4 %
Kufstein  223 h  ---  n.a.
Lienz  239 h  245 h  -2 %
Stand: 01.08.2020

Klimawerte Tirol (Quelle: ZAMG)

Niederschlagsabweichung -30%
Temperaturabweichung +0.6 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 0%
Temperaturhöchstwert Innsbruck-Uni. (578 m) 36.3 °C am 28.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Brunnenkogel (3437 m) -7.1 °C am 12.7.
Temperaturtiefstwert unter 1000 m Ehrwald (982 m) 4.6 °C am 13.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Innsbruck-Uni. (578 m) 19.9 °C, Abw. +0.7 °C
höchste SonnenscheindauerLienz (661 m) 226 h, Abw. -12 %
Stand: 29.07.2020

Beliebte Posts aus diesem Blog

Tragisches Lawinenunglück

Heute Mittag hat sich ein tödliches Lawinenunglück am Sattelberg ereignet. Regelmäßige Leser dieses BLOGs kennen diesen Berg als Messstation des IMGI und daher als oft zitierte Datenquelle. Für viele Sportbegeisterte ist er aber vor allem der erste Tourenberg der Saison: leicht erreichbar, meist schneesicher und einfach zu begehen. Es ist eigentlich undenkbar, dass dort eine Lawine abgeht. In diesem Fall war der Föhn zumindest mit Schuld an der Tragödie. Im gestrigen zweiten Blogposting erwähnte ich den Föhn der mit 108 km/h Spitze am unweit entfernten Kofel wirksam war. Der Sattelberg weist für heute und gestern Windspitzen bis zu 23,9 m/s (86 km/h) bzw 22,1 m/s (80 km/h) auf. Dadurch wurde das bißchen an Schnee, das gefallen war ziemlich verweht. Am Gipfel des Berges liegen somit praktisch nur mehr Schneereste, während sich hingegen im Luv  der verfrachtete Schnee über den bis dato schlecht verbundenn Triebschnee gelegt hat. Erwähnung fand dies auch im heutigen Lawinenlagebericht

Orkan am Innsbruck Flughafen - neuer Winterrekord mit 143 km/h

Der Wind peitscht über den Westen der Stadt mit unglaublichen 143 km/h (Mittwoch, 05.02.2020 08:00). Der Schnee kam praktisch waagrecht daher, es kam zu einem regelrechten "WhiteOut", sprich man hat allein durch den Schneesturm keinen Kilometer weit mehr gesehen. Das sind Bedingungen, wie man sie normalerweise von einem Berggipfel kennt, aber nicht am Rande einer Kleinstadt in der Talsohle. Die ZAMG hat den Wert bereits bestätigt, dennoch dürfte diese Spitzenböe ein "Glückstreffer" gewesen sein. Die Windmesser der Austrocontrol registrierten mit 127 km/h (Ost) und 105 km/h (West) bereits deutlich weniger Wind. Rundherum war der Wind weitaus weniger stark: Universität (38 km/h Böen), Hechenberg (100 km/h), Patscherkofel (96 km/h), Seegrube ca 80 km/h. Windböen 05.02.2020, 0800 MEZ (Kachelmannwetter.com) Windrekorde Diese 143 km/h sind laut ZAMG die höchste gemessene Windgeschwindigkeit in Innsbruck abseits von Gewittern und die dritthöchste Windges

Ungewöhnlich lange Föhnphase

Föhnwolken im Abendlicht des 24. April 2019 (Quelle: foto-webcam.eu) Es war eine sehr intensive Föhnphase , die nun hinter uns liegt. Vom 22. April 12:00 bis zum 26. April 09:00 (MESZ) wehte durchgehend Föhn, also 93 Stunden am Stück. Das ist zumindest für die letzten 10 Jahre ein Rekordwert. Der Föhn ist hier so definiert, dass gleichzeitig im Inntal, im Wipptal (Ellbögen) und am Brenner (Sattelberg) diesselbe potentielle Temperatur vorherrscht (Durschmischung), die Hauptwindrichtung in Innsbruck ist dabei Nebensache. Denn der Föhn wehte meist aus Süd (Uni-Station), zeitweise aber auch als Rotor aus Nordost bei maximalen Böen bis zu 97 km/h (Flughafen) und 86 km/h an der Uni. 80 km/h waren es in Ellbögen, bis zu 150 km/h am Patscherkofel und bis zu 190 km/h auf der Elferspitze. Schema der Windrichtungen in den Tallagen bei Südföhn im Innsbrucker Raum. Von Süden kommend teilt sich die Föhnströmung in zwei Äste. Der östliche (blau) macht sich weiterhin als starker Süd- bis