Direkt zum Hauptbereich

Das Wetter hält sich nie ans Datum: Frühlingsbeginn

Das Stubaital war am 21. Februar bereits weitgehend schneefrei, vor allem auf der Sonnenseite. In höheren Lagen ist die Schneesituation okay, aber unterdurchschnittlich (c) alpen.wetter

Das wechselnde Wetter 

An einem Tag herrschen Föhn und zweistellige Plusgrade, am nächsten Tag das Kontrastprogramm Schneefall und tiefwinterliche Verhältnisse. Umringt wird man von rinnenden Nasen und hustenden Kehlen, sei es durch Haselpollen, hartnäckige Grippeviren oder andere Infekte. Während die Meteorologen (aus rechnerischen Gründen bloß!) den Winter beendet haben, hält sich das Wetter natürlich nicht an diesen 1. März. Warum sollte es auch?

Zeit für Frühblüher wie die Krokusse (c) alpen.wetter


Die letzten Wochen erinnerten tatsächlich eher an einen klassischen März als an einen Februar, das Temperaturmittel für Innsbruck lag bei 4,7 Grad, was einer Abweichung von +3.9 Grad zum Klimamittel 1981-2010 entspricht. Ein durchschnittlicher März hat eine Mitteltemperatur von 5,4 Grad. Mit ein Grund warum man die jetzigen Temperaturen als "zu kühl" empfindet.
Und es bleibt auch vergleichsweise kühl, wechselhaft und teils winterlich.

Warum wechselt das Wetter so häufig?

Der Antrieb des Europäischen Wetters ist bekannterweise der Atlantik, bei entsprechender Strömungslage spielt auch das Mittelmeer mit. Wir befinden uns in einer ausgesprochenen Warmperiode, der Winter ging in Österreich als zweitwärmster der Messgeschichte in die Annalen ein mit einer Abweichung von +2,7 Grad (zum von der ZAMG errechneten Mittel 1981-2010).

Die Arktis hat darüber hinaus eine der geringsten Ausdehnungen ever und weite Regionen Osteuropas sind jetzt bereits schneefrei. Woher soll also die Kälte kommen? Selbst Luft aus den Polarregionen verliert durch das Überströmen der überdurchschnittlichen warmen Meere an Schärfe.

Die Folge monatelänger Wärme: Die Eisausdehnung der Arktis ist auf einem Minimalwert, genau jetzt wo es seinen jahreszeitlichen Höhepunkt hätte (c) http://nsidc.org/arcticseaicenews/

Ein Blick auf die aktuellen Temperaturen bzw. deren Abweichung von der Norm zeigen einige Auffälligkeiten, wie z.B. das Kaltluftreservoir über Kanada und die extrem warme Luft zwischen Grönland und Spitzberge. Interessant für uns in Mitteleuropa sind die Entwicklungen in Kanada. Die dortige Kaltluft unterstützt die Entstehung von Tiefdruckgebieten, die dann in weiterer Folge nach Europa ziehen. Der Atlantik westlich der Britischen Inseln ist aktuell sogar etwas kühler als normal, die Erwärmung also vernachlässigbar (wie auch in diesem Blog von F.Muriset erklärt).

Abweichung der 2m-Temperatur vom Klimamittel 1981-2010 (c) climatereanalyzer.org

Spannende Entwicklung

Der Tiefdruckeinfluss bleibt somit bis auf weiteres bestehen und in rascher Abfolge werden uns in den nächsten Tagen Kalt- und Warmfronten überqueren. Zum Wochenende hin vertieft sich der Kaltluftvorstoß über Westeuropa (siehe Grafik) und das Höhentief schnürt sich ab ("cut off"). Die Kaltluft gelangt somit abnormal weit nach Süden (Maghrebstaaten) während die Warmluft dementsprechend über den Balkan und die Türkei weit nach Norden bis nach Osteuropa bugsiert wird. So einen Ablauf hatten wir bereits letzte Woche.

Abweichung der 850-hPa-Temperatur von der Norm (c) tropicaltidbits.com

Höhe der 500-hPa-Druckfläche (c) tropicaltidbits.com

Die Nutznießer sind die Schneeliebhaber und Winterfans sowie die Touristiker, die sich somit auf Schneenachschub für die Osterferien jetzt schon freuen dürfen.


Neuschneevorhersage ECMWF bis Montagfrüh. Der Großteil wird dem Italientief am Samstag zugeschrieben. Imposant sind die erwarteten Schneemengen allemal, bis zu einem Meter Neuschnee und mehr sind vom Tessin über die Ötztaler Alpen bis zu den Hohen Tauern möglich. Rund ein halber Meter wird es aber auch teilweise in den Nordalpen (c) bergfex/ZAMG


Beliebte Posts aus diesem Blog

Ophelia - ein Hurrikan auf Abwegen

Das hat uns Europäern gerade noch gefehlt. Ein Hurrikan auf 'unserem' Territorium? Selbst als Meteorologe (der ja so einiges gewohnt ist), saß man in den letzten Tagen wie gebannt vor den Modellen, den Satellitenbildern und vor diversen Social-Media-Kanälen. Das was sich da entwickelte, gab es noch nie zuvor (zumindest seit wir eben diese Wirbelstürme dokumentieren und das sind schon ca. 150 Jahre).
Im Atlantik bildete sich ein Hurrikan, an sich nichts ungewöhnliches. Atypisch war aber die Genese (Teifdruckentwicklung) durch einen Kaltluftvorstoß im Zuge eines höhenkalten Tiefs der Polarfront - (siehe FB-Posting von Rund ums Wetter unten). Jedenfalls enstand dieser Hurrikan so weit östlich wie noch nie. Er erreichte am 12. Oktober Kategorie 2 (Saffir-Simpson Skala: mehr als 154 km/h) und schließlich südlich der Azoren völlig unerwartet noch Kategorie 3 (=major hurricane).
Was an diesem Vorgang gleichsam ungewöhnlich wie unerwartet war? Nun, als Voraussetzung für die Entwicklu…

Was Mariä Lichtmess mit dem Murmeltiertag am Hut hat

Mariä Lichtmess ist - wie andere auch - ein wichtiger Lostag für die Landwirtschaft. Der 2. Februar war früher wichtiger ein Tag des Brauchtums und der Beginn des Bauernjahres. Daher hat man die Witterung (sprich das Wetter um dieses Datum herum) immer genau beobachtet. Das Wetter an diesem Tag soll ein Wegweiser für die kommenden Wochen sein. Nun, es sind mehrere Regeln zu diesem Datum überliefert, die alle einen wahren Kern haben, da sie sich auf die Erhaltungsneigung von Wetterlagen in Mitteleuropa, die über mehrere Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhundert, beobachtet wurden, beziehen. Ein Spruch zu diesem Tag ist:
Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.



Diese Regel besagt, dass der Winter länger bestehen bleibt, wenn es zu Lichtmess hell und rein (klar und sonnig) ist. Der meteorologische Hintergrund ist jener, dass stabiles Hochdruckwetter vorherrscht, das für sonnige Verhältnisse sorgt. …

So schön kann Winter sein

Wenn jeder noch so kleine Hügel in Innsbruck und Umgebung zum Spaß für die ganze Familie wird und man nur noch Ski, Rodeln und Boards sieht ist der Winter angekommen. Ordentliche Schneefälle vom 4. bis zum 9. Jänner haben zu einer 30 bis 40 cm Schneedecke im Inntal geführt, auch auf der Seegrube liegen inzwischen ca. 100 cm Schnee. Anbei ein paar Eindrücke von Tag nach den Schneefällen sowie ein paar Zahlen.




Schneehöhen vom 9. Jänner 7:00 MEZ (DWD, ZAMG)

Zugspitze 180 cm
Sonnblick 164
Pitztaler Gletscher 137
Galzig 107
Warth 60
Langen 49
St.Anton 45
Seefeld 42
Innsbruck 37
Kufstein 37
Obergurgl 35
Mayrhofen 31
Landeck 16